Was Mark Coker, Gründer von Smashwords, im Rahmen einer Analyse äußert, deckt sich genau mit meinen Erfahrungen und bringt viele noch immer geführte Diskussionen auf den Punkt:
Für Verlage werde es deshalb schwieriger, ihre Autoren zu halten, so Coker. Sie sollten „beten, dass Print sich weiterhin gut verkauft und die stationären Buchhandlungen nicht mehr so viele Läden schließen“. Bisher sei der Print-Vertrieb für viele Autoren der ausschlaggebende Grund, bei einem Verlag zu bleiben. In einer Welt, die von E-Books dominiert werde, müssten die Verlage versuchen, mit den günstigen Preisen mitzuhalten – und gleichzeitig die Honorare für Autoren erhöhen. Das werde schwierig, weil sie einen viel zu großen Kostenapparat hätten, so Coker.
Print kauft Verlagen nach wie vor Zeit. Fast immer, wenn man mit Autoren spricht, ist der Ausblick, in den klassischen Print-Vertrieb zu kommen, neben dem Reputationseffekt das stärkste Argument pro Verlag. Der Rest lässt sich verhältnismäßig leicht als Dienstleistung hinzukaufen, wenngleich gute Verlage nicht nur reine Dienstleister, sondern Partner in der Inhalte-Erstellung sind.
People with their digital devices think they invented virtual reality. But storytelling was the first virtual reality, this was where you create this whole world in your mind, in your imagination and it’s absolutely real to you, as real as everything that you see on a beautiful digital screen somewhere.
Der Geschichtenerzähler David Holt im gleichen Beitrag:
Beim Erzählen kommt es nicht auf den Wahrheitsgehalt an, sondern darauf, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und die Pointen richtig zu setzen.
Das kennen wir ja von guten Geschichten und das sollten wir im Hinterkopf behalten beim Betrachten und Bewerten von Phänomenen wie Hatsune Miku.
Pub ‘n’ Pub (#pubnpub) ist eine Publishing-Stammtischreihe in Deutschland, Österreich und der Schweiz. – Wir treffen uns in wechselnden Pubs und sprechen über Trends im Publishing, Gott und die Welt. Ziel ist es, die Leute vor Ort noch stärker zu vernetzen.
Wir kooperieren dabei mit der Frankfurter Buchmesse, die uns im Rahmen ihres Programms Next Generation Aufmerksamkeit schenkt.
Wer ebenfalls einen Stammtisch starten, zu einem kommen oder sonst aktiv werden möchte, der möge sich bei mir melden. Wir freuen uns sehr darüber. Zwecks Transparenz hier ein paar Infos zur Idee und zum Ablauf (via):
Spielregeln – so funktioniert #pubnpub
Bevor es los geht:
Gesamtorganisator von #pubnpub ist Leander Wattig
In jeder Stadt hat organisationstechnisch jemand den Hut auf und plant den #pubnpub eigenständig – in Abstimmung mit den Leuten vor Ort und mit deren Unterstützung (bei Interesse an einem #pubnpub in Eurer Stadt bitte melden)
Leander Wattig legt zu Beginn für jede Stadt eine Facebook-Gruppe an und veröffentlicht/verlinkt alle Infos auf der Websitepubnpub.de sowie auf den zugehörigen Social-Media-Plattformen
Stadtorganisatoren suchen vor Ort Pub/Bistro/Restaurant, wo es bodenständig-gemütlich ist und wo es einen Raum/Platz mit solcher Akustik gibt, dass mind. 25 Leute in großer Runde diskutieren können
#pubnpub findet alle zwei Monate statt
Stadtorganisatoren wählen jeweils interessantes Publishing-Thema aus und laden einen interessanten Referenten ein, der zum Thema im Pub einen Impulsvortrag hält (Themen können alles sein, meist berichtet jemand von seiner Tätigkeit)
Ablauf eines #pubnpub:
Start ist 19 Uhr und es geht sofort los mit dem Programm
Zu Beginn kurze Begrüßung durch den #pubnpub-Stadtorganisator und kurze Vorstellungsrunde aller Teilnehmer (“Wer bist und was machst Du – in zwei Sätzen?”)
Dann Impulsvortrag des Referenten – max. 30 Minuten
Anschließend durch den #pubnpub-Stadtorganisator moderierte Diskussion aller Teilnehmer mit dem Referenten zum Impuls-Thema – ca. 30 Minuten
Ende des moderierten Teils
Danach allgemeiner Austausch an den Tischen – open end
Was sonst noch wichtig ist:
#pubnpub ist eine Gemeinschaftsaktion
#pubnpub ist zwanglos und gesellig; feste Zusagen sind nicht nötig; jeder zahlt für sich selbst
Gegessen und getrunken werden kann von Anfang an und parallel zum Ablauf – das macht den #pubnpub dynamisch
Ziel ist es, dass wir über den lockeren Rahmen und das aktuelle Thema die unterschiedlichsten Leute aus dem Publishing-Bereich (besser) kennen lernen
Wie einige von Euch noch wissen werden, habe ich von 2010 bis 2012 die Buchbranchen-Jobbörse betrieben und diese war weit führend in ihrem Bereich. Am Ende kamen jeden Tag 3-4 neue Job-Angebote von alleine rein. Es gab aber auch immer wieder Stress, weil ein paar Leute in der Buch-/Kreativbranche ganz normalen Wettbewerb offensichtlich nicht mögen. Im Mai 2012 hatte ich dann die Lust verloren, da ich ja angesichts meiner Tätigkeiten und Projekte auch sonst genug zu tun habe. Es gab sofort auch Kaufangebote, aber ich habe die Sache seitdem einfach ruhen lassen.
Nun – auch angesichts der noch immer starken Nachfrage – nehme ich einen neuen Anlauf mit dieser Plattform, auch weil ich inzwischen genauer weiß, welche Ausrichtung nachhaltig ist und zu meinen anderen Tätigkeiten und zu der Entwicklung des Gesamtmarktes passt. Vor ein paar Tagen habe ich also die vormalige Jobbörse auf PublishingMarkt.de neu aufgesetzt – diesmal als kostenloses und redaktionell gepflegtes Schwarzes Brett für den ganzen Publishing-Bereich.
Das heißt vor allem, dass nun auch das weite Feld der Projekt- und Freiberuflertätigkeit berücksichtigt ist. Natürlich können wieder Stellenangebote eingetragen werden, die Volontariate & Praktika werden aber getrennt erfasst, was ja sonst immer vermischt wird. Zudem können jetzt auch Angebote für Projekttätigkeiten, Räumlichkeiten sowie Kontakte & Infos eingegeben werden. Ich denke und hoffe, dass das nützlich ist. Wenn also bspw. ein Autor für einen konkreten Auftrag einen Lektor oder einen Grafiker sucht, so kann er das bequem über PublishingMarkt.de tun.
Auch diesmal soll die Plattform Euch dienen und nicht wie bei anderen Betreibern primär dem Geldverdienen. Sie kombiniert daher wieder diese jahrelang bewährten Vorteile:
Auf der Seite können Unternehmen und Kreativschaffende kostenlos und ohne Anmeldung oder Registrierung Einträge erstellen. Nach Verfassen eines Eintrags wird eine Bestätigung an die vom Akteur hinterlegte E-Mail-Adresse verschickt. In dieser E-Mail befindet sich auch ein Link, über den ein späteres Bearbeiten oder Löschen des Eintrags möglich ist. Ihr könnt also komplett eigenständig und unabhängig agieren, was allen Beteiligten Zeit spart.
Zeit spart auch die Möglichkeit, die Einträge jeder Kategorie separat via E-Mail und RSS-Feed zu abonnieren. Die Links finden sich in der Abo-Zentrale. Natürlich sind wir auch bei Facebook und Twitter vertreten.
Die Seite wird redaktionell gepflegt. Wir möchten, dass die Relevanz für die Nutzer stets möglichst hoch bleibt. Wir behalten uns also vor, nicht jeden Eintrag zu veröffentlichen.
Das Einstellen von Angeboten wird auch langfristig kostenlos bleiben.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr die Plattform nutzt und weiter empfehlt. Ebenso freue ich mich über Feedback.
Andreas von Gunten und seine Tätigkeit als Jung-Verleger (buch & netz), bei der er sein Know-how als Cloud-Computing-Experte auf die Buchbranche überträgt, habe ich zum ersten Mal genauer kennen gelernt, als er im Rahmen meines Lehrauftrags an der Uni St.Gallen einen Vortrag gehalten hat, und ich fand es sofort schlüssig. Ich hatte sein Modell dann u.a. auch in meinem stark wahrgenommenen Vortrag auf der AKEP-Jahrestagung (“Geschäftsmodell-Labor Internet – Perspektiven für Verlage in der Filesharing-Welt”) im Juni 2012 vorgestellt.
Letztlich ist es erstaunlich, wie banal eine konsequente Übertragung der Internet-Logik auf Bücher und Buchverlage ist. Plötzlich merkt man, dass Blogs schon ziemlich nah an dem sind, was es braucht – Stichwort PressBooks & Co. Eigentlich traurig, dass wir 2013 noch immer feststellen müssen, dass es Büchern an Grundsätzlichstem fehlt: einer URL. Zudem sind die Inhalte qua Geschäftsmodell (Paywall) meist abgeschottet, sodass sie gar nicht erst Teil der Social-Media-Filterung und -Relevanzbewertung werden können, die es heute für Reichweite braucht. Der Vorteil von Startups wie Buch & Netz ist zudem, dass sie Prinzipien des Cloud Computings auf Verlage übertragen und sich somit sehr schlank aufstellen. Durch die niedrigeren Fixkosten werden dann plötzlich u.U. Geschäftsmodelle attraktiv, die es für klassische Verlage nicht sind, weil diese erstmal ihre teure Infrastruktur finanzieren müssen, sodass am Ende an P-Books orientierte E-Book-Preise herauskommen, die nachwachsende Kunden überhaupt nicht nachvollziehen können.
Übrigens: Andreas organisiert übrigens auch die Züricher Ausgabe meiner Stammtischreihe #pubnpub und freut sich über Mitstreiter. Für Berlin steht inzwischen auch der nächste Termin fest – Thema: Buchempfehlungen im Netz.
Dieser Tumblr-Blog der Freischreiber widmet sich der Frage: “Wie bezahlen Zeitungen, Magazine und Webseiten ihre Autoren?” Gesammelt werden Erfahrungen in Form konkreter Zahlen. Danke an Frank Krings für den Tipp.
Gestern lief bei Breitband, dem Magazin für Medien und digitale Kultur im Deutschlandradio Kultur, ein Beitrag zum Thema “Die digitale Gutenberggalaxis“. Darin sprach Philip Banse mit Dirk von Gehlen und mir über diese Themen:
01:00 – Vorstellung Leander Wattig und Dirk von Gehlen
01:56 – Das Crowd-Buch “Eine neue Version ist verfügbar”
05:51 – Zukunftsfähigkeit kollaborativer Bucherstellung
12:18 – Crowdfunding, Eigenwerbung und die Bereitschaft zum Scheitern
21:22 – Krise und Konsolidierung des Selbstverlags
26:21 – Klassische Verlage, Amazon, Tolino
34:52 – Einflussnahme der Leser
37:08 – Das Buch als Fußballspiel und Popkonzert
42:59 – Leserüberwachung und soziale Interaktion
46:34 – Digitales Selbstverständnis von Autoren
50:14 – Interaktives Crowdwerk vs. klassisches Buch
Vielleicht gehört das zu einer deutschen Eigenart, die sich gelegentlich auch spiegelt in einer seltsamen, weit verbreiteten Antimarketing-Haltung: “Wenn das Produkt gut ist, dann braucht man keine schöne Verpackung oder gar Werbung dafür! Ausrufezeichen!” Daraus spricht auch die Überheblichkeit der einigermaßen Erfolgreichen, weil diese Äußerung transportiert: gut ist nur, wer erfolgreich ist, und wer unerfolgreich ist, also zum Beispiel keine vielgelesenen und vieldiskutierten Texte schreibt, bei dem muss es am Inhalt liegen. Und nicht an der Kommunikation drum herum. Und das ist Unsinn.
Diesen Zusammenhang beobachte ich u.a. in der Buchbranche auch öfter. Wer aktiv und geschickt vermarktet, setzt sich tendenziell dem Verdacht aus, keine inhaltliche Substanz bieten zu können, es also daher “nötig zu haben”. Das ist natürlich bedauerlich in Zeiten, da sich fast alle Autoren immer stärker selbstständig vermarkten müssen, weil es Hemmschwellen erzeugt und Chancen verstreichen lässt. Aktives Verkaufen wird schnell mit einem Sich-Verkaufen gleichgesetzt. Hier braucht es einen noch stärkeren Kulturwandel, weil in Sachen Vermarktung heute offensives und neugieriges Ausprobieren gefragt ist.
Etwas zugespitzt, aus Sicht vieler Autoren aber durchaus treffend formuliert von Shel Israel, wie ich finde:
Traditional publishing, which gives authors a steadily diminishing amount of upfront money for a book in exchange for loss of control over our property. The publisher’s two strongest assets in a changing market are the ability to get products onto bookstore shelves and the ability to get reviews in traditional publications. Both of these are becoming less relevant than they used to be. As Rick Smolan described the situation he faced “Even the FedEx guy delivering the book would make more money” than the author.
Ich mag Menschen, die ihr Ding machen. Im Internet können wir das jetzt alle tun - jeder kann hineinschreiben. Doch niemand hat ein Patentrezept für Erfolg und deshalb ist Erfahrungsaustausch wichtig. Den will ich mit diesem Blog und mit meinen Vernetzungsinitiativen unterstützen. Schließlich bin ich fest davon überzeugt, dass ein souveräner Umgang der Menschen mit den demokratisierten Publikationsmöglichkeiten gut für unsere Gesellschaft ist.
Pub ‘n’ Pub (#pubnpub) ist eine Publishing-Stammtischreihe in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir treffen uns in wechselnden Pubs und sprechen über Trends im Publishing, Gott und die Welt. Ziel ist es, die Leute vor Ort noch stärker zu vernetzen. - Kooperationspartner: Frankfurter Buchmesse