Vor der Zeit des Internets kamen Unternehmen nicht umhin, in den Publikationen der Medienhäuser zu werben, wenn sie mit ihren Werbebotschaften ihre Zielgruppen erreichen wollten. Damit erfolgte durch sie quasi eine Querfinanzierung des Journalismus, welcher allein durch Vertriebserlöse nicht in der Form zu bezahlen war. Das wiederum kam der Gesellschaft und auch den Journalisten zugute.

Dann kam das Internet und brach diesen Markt auf. Seitdem verteilt sich das Werbegeld zunehmend auf die Unendlichkeit der vorhandenen (Nischen-)Publikationen von beliebigen Betreibern/Herausgebern, die oft einfach nur Geld verdienen wollen und mit Journalismus nichts am Hut haben. Der Umstand, dass Unternehmen aller Art früher einmal auf Medienunternehmen angewiesen waren, ist gewissermaßen ein historischer Glücksfall für diese gewesen und hatte einen lukrativen Markt geschaffen, der in der Form aber nicht zurück kommen wird. Daher stellt sich nach wie vor die drängende Frage, wie wir unabhängigen Journalismus künftig in der Breite noch finanzieren können.

Ein ganz ähnlicher Zusammenhang lässt sich auch auf dem Buchmarkt erkennen: Autoren waren vor der Zeit des Internets mehr oder weniger auf Buchverlage angewiesen, wenn sie etwas veröffentlichen und breit verfügbar machen oder zumindest die Chance dazu haben wollten. Verlag kommt ja von vorlegen und die Querfinanzierung schlecht verkäuflicher Buchtitel im Verlagsprogramm über die gut verkäuflichen ist Kernbestandteil des traditionellen Buchverlags-Modells. Verlage gingen gewissermaßen eine bestimmte Anzahl von Wetten ein, die so gestaltet waren, dass ein oder zwei gewonnene Wetten reichten, um das gesamte Spiel zu finanzieren. Die Autoren spielten mangels Alternativen mit.

Nun aber haben Autoren dank Internet und Digitalisierung Alternativen, die auch immer attraktiver werden – Stichwort Self-Publishing. Das führt keineswegs dazu, dass der Verlagsmarkt sofort zusammenbricht. Noch immer will quasi jeder Autor zu einem “richtigen” Verlag, weil sich da nach wie vor am ehesten Reichweite gewinnen, Reputation aufbauen und Geld verdienen lässt. Zudem wollen viele Autoren nicht den ganzen Tag Eigenwerbung machen, sondern schreiben. Selbst eine überaus erfolgreiche und ehemals reine Self-Publishing-Autorin wie Amanda Hocking stützt diese These, indem sie sagt:

I want to be a writer. I do not want to spend 40 hours a week handling emails, formatting covers, finding editors, etc. Right now, being me is a full-time corporation.

Doch “handling emails, formatting covers, finding editors, etc” können auch andere Dienstleister als Verlage. Auch wenn sich die Verlagswelt nicht über Nacht wandelt, so wächst doch der Rechtfertigungsdruck auf die Verlage, warum denn nun gerade das Dienstleistungsbündel, wie sie es schnüren, das beste für den betreffenden Autor sein soll. Das ist durchaus neu. Ein schneller Blick auf die Websites einiger Buchverlage reicht, um zu sehen, dass diese sich bisher nicht wirklich als Dienstleister begreifen. Entsprechend intransparent bleibt das Leistungspaket für Außenstehende. Buchverlage hatten es bisher einfach nicht nötig, gegenüber dem Durchschnitts-Autor zu werben.

Während dieser ganze Wandlungsprozess viele interessante Facetten aufweist, finde ich einen Punkt besonders interessant, weil er die Grundfesten von (Publikums-)Verlagen berührt: Wenn ich ein Bestseller-Buchautor wäre, würde ich mich fragen, warum ich einen Deal eingehen soll, der in letzter Konsequenz ermöglicht, andere Autoren querzufinanzieren. Wenn ein solcher Deal besteht, heißt das ansich nur, dass für mich als Bestseller-Autor nicht der bestmögliche Deal herausgeholt wurde. Wäre es nicht nur konsequent, wenn Autoren zunehmend Dienstleistungs-Verhältnisse suchen und einfordern, die – wie auf anderen Märkten auch – dem Dienstleister nur das wirklich notwendige Geld zuweisen? Was aber passiert mit den bestseller-abhängigen Publikumsverlagen, wenn gerade die Top-Autoren und somit die Stützen der Häuser mehr und mehr einfordern oder sich gar abwenden? Stichwort Pottermore

Der dadurch entstehende Druck und die fortschreitende Digitalisierung dürften dazu führen, dass Verlage künftig im Printbereich keine mit heute vergleichbaren Experimente mehr eingehen, weil es einfach zu riskant und teuer ist. Heute werden Zehntausende papierne Bücher auf den Markt geworfen, von denen niemand weiß, ob sie sich rechnen werden. Dieses Vorgehen wird uns in 10 Jahren ziemlich abenteuerlich vorkommen. Der richtige Ort für Experimente ist eben nicht der Printmarkt, sondern der digitale Markt bzw. das Internet als großer Crowdsourcing-Pool für jedermann. Nur was sich dort bewährt hat und demzufolge einen Erfolg sehr wahrscheinlich macht, wird künftig ggf. in einer angepassten Print-Version erscheinen, was als Erkenntnis nicht neu ist. “Digital First”, wie es derzeit von Lübbe getestet wird, ist deswegen nur eine logische Folge der Entwicklung und sollte unterstützt und nicht bekämpft werden.

Bildquelle: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von bengrey

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Oft wird ja gesagt, ein aufgrund des massiv gewandelten technologischen Umfeldes nicht mehr zeitgemäßer rechtlicher Rahmen begünstige ausschließlich die alten Geschäftsmodelle etablierter Unternehmen und verhindere die Entwicklung neuer Erlösquellen. Das ist nur teilweise richtig. Es gibt durchaus Geschäftsmodelle und Märkte, die neu entstehen und sogar regelrecht aufblühen in einem Umfeld, für das selbst ein Rechtsanwalt wie Thomas Schwenke Folgendes feststellen muss:

Angesichts des Umstandes, dass man das moderne Netz kaum nutzen kann ohne Rechtsverletzungen zu begehen (…)

Das ist die Situation, die dazu geführt hat, dass sich das Abmahnwesen überaus prächtig entwickeln konnte. Doch damit nicht genug. Die direkte Ableitung ist nun die folgende Diskussion, die für einen weiteren hochattraktiven Markt stehen dürfte:

Kann man sich gegen Abmahnungen im Social Media Marketing versichern? – Interview mit Ralph Günter von exali.de

Weil alle Angst haben (müssen), können Versicherer “innovative” Geschäftsmodelle entwickeln und umsetzen. Ob all das gesellschaftlich dann so überaus sinnvoll ist, ist eine andere Frage.

Während manche Ministerin sich gefühlt ausschließlich mit ständiger Facebook-Schelte zu profilieren sucht, was dem Verbraucher wenig bis nichts bringt, scheint wenigstens Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wirklich etwas Konkretes und Hilfreiches im Bereich der Netz-Nutzung bewirken zu wollen. Drücken wir ihr die Daumen.

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Dass ich die Bilder-Sharing-Seite Pinterest als Plattform sehr gut und intelligent gestaltet finde, hatte ich im November hier erwähnt. Erwähnt hatte da ich auch die am Beispiel von Pinterest ersichtlichen Herausforderungen beim alltäglichen Umgang mit dem Urheberrecht.

Jon Mitchell weist nun bei ReadWriteWeb auf einen interessanten Punkt hin. Kurze Hinleitung: Das Abo-Prinzip ist ein sehr wichtiges Element im Social Web beim Umgang mit den verfügbaren unendlichen Datenmengen. Wir gehen häufig nicht mehr aktiv auf die Suche nach Informationen, weil das zu zeitaufwändig wäre, sondern lassen uns diese zuliefern – im Abo. Daher ist es sehr wichtig, wie die aus dem Abo-Prinzip resultierenden Datenströme gestaltet sind und wie sie gefiltert werden (können). Denn am Ende geht es um Relevanz.

Es ist kein Geheimnis, dass das Anlegen von Listen (Facebook) oder Kreisen (Google+) bestimmter Abo-Quellen (Menschen, Marken, Anwendungen, …) nur bedingt funktioniert. Der Aufwand seitens des Abonennten ist einfach zu groß. Zudem kann der Abonnent sowohl bei Google+ als auch bei Facebook im Prinzip nur einstellen, dass er mehr oder weniger der Nachrichten von Nutzern im Stream angezeigt bekommen möchte. Eine thematische Auswahl ist nicht möglich:

But neither of those networks offer much control for the person on the receiving end. Facebook’s News Feed algorithm is a bit of a magic soup. You can tell it you want more or fewer updates from certain things in certain situations, but for the most part, if they’re sharing it with you, you’re going to get it. Google+ lets you turn down the volume on your circles, so you can adjust the noisiness of groups you’re following, but the people in those circles are just sharing wherever they share. The recipient has to do her or his best to keep all the senders organized.

Anders Pinterest. Hier können seitens der Nutzer so genannte Boards angelegt werden, auf denen sie Bilder bestimmter Themen sammeln. Letztlich sind diese Boards nichts anderes als eine optisch aufgehübschte Verschlagwortung. Das Besondere ist, dass diese Boards bzw. Schlagworte separat abonnierbar sind (ganz ähnlich wie bei den guten alten Bookmarking-Diensten). Ein Nutzer kann also von anderen Nutzern komplett abonniert werden (inkl. aller Boards) oder es werden nur einzelne seiner Boards abonniert, die zu den Interessen des anderen Nutzers passen. Der entscheidende Unterschied zu Facebook und Google+ ist bei diesem Ansatz, dass der die Inhalte erstellende Nutzer selbst die Sortierung/Verschlagwortung seiner Postings nach Themen vornimmt. Er hat ein Eigeninteresse, das zu tun. Die Abonnenten können sich dann passende nach Themen geordnete Abo-Quellen heraussuchen und haben nur geringen Aufwand. So wird es auch möglich, dass man für die Allgemeinheit sehr unterschiedlich relevantes Bildmaterial postet und dennoch eine relevante Abo-Quelle sein kann:

If someone you like has a board for “desserts,” which you like, and a board for “spaceships,” which you love, but they also post to their “cute puppies” board all day long (and you hate puppies), the solution is simple: You unfollow “cute puppies,” and everything else remains. Both the pinner and the follower only have to think about their own tastes. They don’t have to guess what other people are like.

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Es ist ja kein Geheimnis, dass in Zeiten von Branchenumbrüchen etablierte Unternehmen oft auf der Strecke bleiben, weil sie den Innovationssprung nicht bewältigen. Denn wenn sie neue Geschäftsmodelle erproben, untergraben sie damit oft ihre bestehenden und einträglichen Erlösquellen. Daher gehen Innovationen dann auch meist nicht von den etablierten Unternehmen aus, sondern von Markt-Neulingen.

Inzwischen heißt es ja auch oft, die Buchbranche hätte die Digitalisierung verschlafen. Ganz so krass ist es nicht. Zweifelsohne hat sie sich in der Gesamtheit aber auch nicht mit Begeisterung darauf gestürzt. Das hat auch mit dem oben beschriebenen Zusammenhang zu tun. Hinzu kommen aber auch ein paar Branchenspezifika:

Traditionell sind die drei “Sparten” der Buchbranche (Verlage bzw. “herstellender Buchhandel”, Zwischenbuchhandel und “verbreitender Buchhandel”) sehr eng verbunden, was im Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Ausdruck kommt, der damit als Branchenverband ziemlich einzigartig ist:

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. ist weltweit der einzige Verband, der alle drei Handelsstufen unter einem Dach vereinigt – Verlage, Buchhandlungen, den Zwischenbuchhandel, Antiquariate und Verlagsvertreter.

Zudem steht der “verbreitende” Buchhandel noch immer für ca. die Hälfte des Branchenumsatzes:

Der stationäre Buchhandel und die dortigen Akteure sind auch die einzige Zielgruppe, welche viele Verlage in der Vergangenheit wirklich gut kannten. Daher ist der ganze Bereiche “Social Media” mit seinem Endkunden-Direktmarketing-Ansatz vielen Verlagen auch so neu und fremd.

Jedenfalls führt diese gewachsene Struktur und die daraus folgende Mentalität dazu, dass viele Neuerungen und Experimente der Verlage vom Buchhandel attackiert werden. Das ist von außerhalb der Branche nicht unbedingt ersichtlich, wo es dann schnell heißt, die Buchverlage könnten Innovation einfach nicht. Aber natürlich müssen Verlage auf ihre – noch immer – Hauptkunden zumindest rhetorisch Rücksicht nehmen, was dann häufig auch zu einer neuralgische Punkte meidenden Sprache führt.

Sehr gut illustriert wird der ganze Zusammenhang durch ein Beispiel, auf welches ich vor ein paar Tagen beim Börsenblatt gestoßen bin. Dort wird berichtet:

Bastei Lübbe startet in diesem Jahr ein rein digitales Programm “Digital First”. Dessen Inhalte erscheinen als Erstveröffentlichung in digitaler Form, wie die Kölner mitteilen. (…)

Jetzt könnte man denken: Das ist ja überaus erfreulich. Da wird experimentiert. Da wird Zukunft erprobt …

… Denkste! Wie lautet der einzige Kommentar, der von Esther Giese, Inhaberin des Buchladen Sülzburgstraße, stammt?:

Ich werde daraus Konsequenzen ziehen und nur die nötigesten Titel bei Lübbe bestellen. Lübbe versucht den Buchhandel auszuklammern. (…)

Ergo: Auch das Verlagsleben ist nicht ganz so einfach, wie es von außen manchmal scheint.

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Phil Roeder

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Der US-Komiker Jon Stewart kommentiert den Stop Online Piracy Act (SOPA) sehr treffend:

via: iRights.info

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Seit 2008 gehört netzwertig.com zu den wenigen Blogs, bei denen ich in alle Artikel mindestens reinlese, was an der guten Arbeit von Martin Weigert liegt, bis 2010 auch an der von Marcel Weiß.

netzwertig.com ist ein Blog über die Internet-Ökonomie. Wir berichten seit Mai 2008 über Entwicklungen in der Internet-Wirtschaft, ihre Auswirkungen international und insbesondere auf den deutschen Sprachraum.

Ich freue mich, nun auch ab und an einen Artikel beisteuern zu dürfen. Los ging’s gestern mit diesem Beitrag:

“Start-ups schaffen Arbeitsplätze”: Wie sich die Internetdebatte konstruktiv beeinflussen lässt

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Falls das Börsenblatt die Aussagen richtig wiedergibt, hat René Strien, Geschäftsführer des Aufbau Verlages und neuer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Publikumsverlage, Folgendes geäußert:

„Wir haben alle ein paar Grundprobleme, die sollen hier verhandelt werden“ (…) Zu diesen Problemen gehöre das mangelnde Verständnis in der europäischen Politik für das Verlagsgeschäft. Die Buchbranche dürfe sich nicht ausruhen auf einer traditionell hohen Wertschätzung der Branche. Insbesondere müsste mit dem Vorurteil von der “Verwertungsmafia” aufgeräumt werden. Dieses böse Wort unterstelle, das Verlage ja gar nicht die eigentlichen Urheber seien und auch nicht deren, sondern nur eigene Interessen verträten. Es herrsche im übrigen ein sehr eingeschränkter Begriff von der “Freiheit des Internets” vor, beklagte Strien: Ein Begriff nämlich, der die Freiheit, im Internet für Arbeit Geld zu verlangen nicht mit einschließe.

Interessant finde ich vor allem den letzten Punkt:

Ein Begriff nämlich, der die Freiheit, im Internet für Arbeit Geld zu verlangen nicht mit einschließe.

Ich bin ja seit einiger Zeit recht aktiv im Internet. Ich habe aber noch niemand getroffen – nicht mal unter den Filesharern -, der einen solchen Freiheitsbegriff nutzt. Sonst irgendjemand?

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Die Sache ist bei weitem nicht neu, aber es gibt immer mehr interessante Praxisbeispiele:

Gary V. breaks down why the new startup push to create niche “dream teams” is a cheap, easy way to create dominant tech brands of the future.

(Video, 3 min.)

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Manche bekanntere Web-Plattformen wie Empire Avenue leisten sich durchaus ein politisches Statement an zentralster Stelle auf ihrer Startseite – Respekt!

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AXE hat Graphic Novels als attraktive Werbeform für sich entdeckt und bewirbt damit einen neuen Duft namens Anarchy in zwei Varianten – für sie und für ihn. Ort des Geschehens ist ein YouTube-Kanal, wo die Aktion auch vorgestellt wird. Das Ganze soll den Nutzer stark einbeziehen und interaktiv ablaufen:

(Video, 1 min.)

Mashable dazu:
The Unilever brand, working with digital agency Razorfish, commissioned Aspen Comics for the effort. Scott Lobdell, who wrote X-Men stories in the ’90s and is now responsible for three major DC Comics titles, will also be writing the graphic novel.

“Behind the scenes”:

“Creating the characters”:

“Writing the novel”:

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