Szenesprachenwiki: Beispiel für ein innovatives Buchverlags-Projekt

Das Szenesprachenwiki vom Dudenverlag und Trendbüro ist ein Verlagsprojekt, das mir gut gefällt. Die Agentur 9elements, welche die Seite umgesetzt und mit ihr vor ein paar Tagen einen red dot gewonnen hat, beschreibt sie wie folgt:

Szenesprachenwiki is a wiktionary for new words which have not been recognized by the German Duden (standard German dictionary), even though they are part of everyday language. Each submitted word is searched for using both Google and Twitter. Why? Only words with actual search results can be submitted! (On a side note: That is one great spam filter) Before being published on the website, all words are being checked and refined by experts. Successful submissions will be communicated to the author’s Facebook (via Facebook Connect) and the wiki’s Twitter profile. In late September there’s going to be a book featuring the site’s collective submissions!

 

Mal unabhängig von der inhaltlichen Gestaltung und dem tatsächlichen Erfolg der Plattform gefällt mir an dem Projekt zum einen, dass es interaktive Elemente wie Twitter, Kommentare, Bewertungen, Weiterempfehlungsfunktionen und einen Blog einsetzt. Das sollte eigentlich Standard sein, ist es aber leider noch nicht.

Noch besser finde ich aber, dass es mal ein Buchverlags-Projekt gibt, das auch Elemente des zunehmend offenen Social Web einsetzt. Konkret meine ich, dass man sich auf der Plattform via Facebook Connect einloggen kann, wenn man einzelne Wörter bewerten oder kommentieren möchte. Man muss also nicht wieder einen neuen Account anlegen und sich ein neues Passwort merken. Stattdessen nutzt man ein Profil, welches man bereits auf einem bestehenden Social Network angelegt hat. Für das Szenesprachenwiki hat dies wiederum den großen Vorteil, dass es potenziell Zugriff auf mein Kontaktnetz („Social Graph“) bekommt, indem meine Aktivitäten meinen Kontakten bei Facebook gezeigt werden:

 

 

Auf diese Weise kann eine Sichtbarkeit geschaffen werden, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass neue Nutzer die Plattform für sich entdecken. Und ehrlich gesagt: Ohne Facebook Connect hätte ich mich beim Szenesprachenwiki auch nicht angemeldet, weil es mir inzwischen zu mühsam ist, immer wieder neue Profile auf irgendwelchen Plattformen anzulegen.

Eine Sache ist mir aber auch negativ aufgefallen. Nun ermöglicht die Plattform schon das Anmelden über Facebook Connect. Wenn ich das erste Mal dort lande und auf „Log-In“ gehe, sehe ich diese Option klar und deutlich. Warum aber gibt man nicht auch auf der Seite „Registrieren“ einen kurzen Hinweis, dass man nicht unbedingt ein neues Profil anlegen muss. Das wäre doch ein nutzerfreundlicher Service, gerade weil die meisten aus Gewohnheit zuerst auf die Seite „Registrieren“ gehen, wenn sie noch keinen Account auf der betreffenden Plattform haben. Versucht man hier Nutzerdaten zu sammeln? Das ist umso ärgerlicher, wenn man sich die FAQ durchliest, wo die Registrierungsoption über Facebook Connect extra hervorgehoben wird:

Facebook-Connect ist ein Single Sign-on System. Das heißt: Wenn du einen Facebook-Account besitzt, kannst du zur Registrierung schnell und unkompliziert Namen, Profilbild und Geburtsjahr aus deinem Fabebookprofil auf dein Userprofil im Szenesprachen-Wiki übertragen.

Dennoch: Insgesamt ein schönes Projekt, das zudem aufzeigt, wie aus einer Website ein Buch werden kann:

Aus allen eingetragenen Wörtern auf dieser Online-Plattform treffen Duden und Trendbüro eine Auswahl. Diese bildet dann die Grundlage für das „Neue Wörterbuch der Szenesprachen“, das noch zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse erscheinen soll. Über den aktuellen Stand des Buchprojektes werden wir euch im Blog informieren.

via: itst.net