Interview: Jana Schlegel und Thomas Kujawa über den Einsatz von Social Media für ihren Familienservice

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Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, dieses Interview mit Jana Schlegel und Thomas Kujawa von der familienfreund KG zu führen, in dem sie die Bedeutung von Social Media für ihr Unternehmen beleuchten. Vieles ist sicherlich auch aus Sicht anderer kleiner Unternehmen interessant, die versuchen, sich den Bereich zu erschließen.

Danke nochmal an Jana und Thomas für Eure Zeit!

Das Interview

Wer seid Ihr und womit verdient Ihr Euer Geld?

familienfreund ist ein privatwirtschaftlich finanzierter Familienservice und räumt im Auftrag des Arbeitgebers Probleme aus dem Weg, die den Mitarbeiter von der Arbeit (oder Ausbildung) abhalten. Das richtige Freizeitangebot für die Großeltern finden, das Antragsformular für Wohngeld oder die Weiterbildung, den Ansprechpartner bei der Pflegekasse suchen oder finanzielle Hilfen recherchieren – Fragen und Probleme rund um das Thema Familie gibt es jede Menge. Daneben liefern wir Wissen rund um die Themen Familienfreundlichkeit und Work-Life-Balance. Für Privatkunden sind wir erst seit kurzem tätig, dieser Geschäftsbereich wächst allerdings sehr schnell. Die familienfreund KG befindet sich im Eigentum von 2 Privatpersonen.

familienfreund

Was ist Euer Ziel beim Einsatz von Social Media?

Social Media ist für uns ein Teil unserer Kommunikations- und Feedbackstrategie mit unseren Kunden bzw. deren Familienmitgliedern (im Sinne von familienfreund: sprich Mitarbeiter oder Kunden). Zum einen haben wir durch die Nutzung von Werkzeugen wie Twitter, Facebook, Xing & Co unsere Augen und Ohren an einem Teil unseres Marktes. Zum Anderen können wir Informationen sehr schnell (und kostengünstig) zur Verfügung stellen.

Unser Ziel des Social-Media-Einsatzes lässt sich relativ einfach beschreiben: 1. Wir wollen den Namen familienfreund stärker „in die Welt“ tragen. 2. Wir benötigen, um uns marktgerecht weiterzuentwickeln, Rückkopplung mit Kunden und Nicht-Kunden (!).

Wie versucht Ihr, Eure Ziele mit Social Media zu erreichen?

Wir sehen da einen sehr einfachen „Kreis“lauf aus neugierig sein, probieren, messen, zuhören, empfehlen … Und manchmal macht es einfach nur Spaß zu lesen, zu hören oder zu sehen, was Menschen in sozialen Netzwerken Tolles oder auch Unnützes verteilen. Wir machen hier aber keinen Unterschied zwischen Online- und Offline-Social-Media. Für uns gehört beides untrennbar zusammen.

Jede Info wird bei uns zielgruppengenau aufbereitet oder verteilt. Das gilt sowohl beim Rein als auch beim Raus. Instrumente wie Twitter und Facebook ermöglichen uns die Kommunikation mit den Privatkunden und -nutzern. Zum Beispiel werden Events so immer über diese Kanäle verteilt.

Beim redaktionellen Teil nutzen wir Blogs und Newsseiten rund um Familie, um diese nach relevanten Themen „durchzuforsten“. Daraus enstehen dann situationsbezogen wöchentlich 4-6 Artikel. Diese verteilen wir dann wiederrum über Feeds.

Wichtig ist es für uns, dass wir den einmal angestoßenen Prozess nach kurzer Zeit automatisieren können, ohne die Kontrolle zu verlieren. Wir hören dann Kommentare im Netz: „Der Tag hat doch nur 24 Stunden. Wie macht Ihr das?“ und freuen uns über die hohe Effektivität, die sich bei Besucherzahlen bei von uns betriebenen Webseiten, bei Veranstaltungen oder auch bei Nutzungsquoten unserer Betreuungsverträge ablesen läßt.

Wie messt Ihr Euren Erfolg beim Einsatz von Social Media und wie groß ist er?

Kann man Erfolg beim Einsatz von Social Media überhaupt messen ?

Ist es wichtig, 100, 500 oder 10.000 Follower bei twitter oder Freundinnen bei netmoms zu haben? Ist es vielleicht die Zahl der Kommentare bei der Facebook-Fanpage oder doch eher die Besucherzahl beim durch be-a-magpie beworbenen Seminar?

Natürlich schauen wir mittels verschiedener Werkzeuge, was das Netz über uns erzählt und bringen uns in seltenen Fällen auch direkt ein. Auch beobachten wir, welche Reaktionen auf Aktionen von uns passieren und versuchen daraus zu lernen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist eine Aktion aus heißen Sommertagen des Jahres 2009. Hierbei haben wir 300 Wasserflaschen auf dem Leipziger Marktplatz, nur wenige Meter von unserem Büro ;-) , kostenfrei verteilt und durch Gespräche festgestellt, dass uns – bzw. unsere Webseite / unser Angebot / unser Logo / unsere Farben etwa 10% der Menschen kannten.

Wieviel Zeit wendet Ihr jeden Tag bzw. jede Woche für Social Media auf?

Dies ist sicher situations- und aktionsbezogen sehr unterschiedlich. Manchmal, zum Beispiel wenn wir mit dem mobilen FAMILIENBÜRO unterwegs sind, nutzen wir nur 4sq und twitter als Statuskanal. An anderen Tagen gibt es eine intensive Nutzung, zum Beispiel, wenn wir neue Broschüren erhalten haben oder für unsere Kunden (und Mitleser) interessante Dinge passieren.

Wie integriert Ihr die Social-Media-Nutzung in Euren Arbeitsalltag?

Wir nutzen viele unterschiedliche Tools und Anbieter. In jedem Fall schauen wir bei jedem Tool und jeder Plattform auf den Mehrwert für Familienfreund und Familienfreund-Kunden/-nutzer. Einen großen Teil unseres Business könnten wir ohne Social Media nicht effektiv ausführen. Optimiert wird immer und überall – den ganzen Tag.

Wie habt Ihr Euch das Know-how in dem Bereich angeeignet?

Von Berufswegen müssen wir neugierig und lernwillig sein. Zusätzlich hören wir sehr gern und gut zu. Das Gehörte und Gesehene versuchen wir dann ziel- und lösungsorientiert umzusetzen. Hierzu spielen wir sicher mit dem einen oder anderen Tool herum. Google Wave war zum Beispiel so etwas oder auch plazes.com.

Haben wir das Gefühl, dass etwas nicht funktioniert, „schalten wir es für uns ab“. Andere Dinge, die gut funktionieren, binden wir stärker ein. Das ist z.B. mit facebook so – wir haben hier eine sehr schnelle Möglichkeit mit Interessenten ins Gespräch zu kommen.

Ihr seid 2 Personen in Eurem Unternehmen und beschäftigt Euch intensiv mit dem Thema Social Media? Was sagt Ihr größeren Unternehmen, die der Meinung sind, Social Media lohnten den zeitlichen Aufwand nicht?

Wir müssen ja niemanden zu Social Media ‚bekehren‘. Entweder er / das Unternehmen sieht, wo ein Nutzen liegen kann oder eben nicht. Und hierbei kann der Nutzen ja von unserer Zielstellung vollkommen abweichen.

Wohnungsunternehmen, für die wir arbeiten, haben Kundengruppen, deren Alter weit über 50 liegt und diese sind naturgemäß nicht so technikaffin, wie die Mitarbeiter der European Energy Exchange AG. Jede Struktur kann also die geeigneten Social-Media-Werkzeuge finden und für sich einsetzen. Sicher geht es für einzelne Organisationen, sich diesem „Trend“ zu verschließen. Ob das schlau ist, wird sich sicher zeigen.

Wo findet man Euch im Social Web?

familienfreund als Unternehmen hat u.a. Profile bei twitter, facebook, Xing, hrm, google und verschiedenen location based und social bookmarking Diensten. Da es sich bei der familienfreund KG um ein inhabergeführtes Unternehmen handelt, sind natürlich die Profile der Geschäftsführerin (Jana Schlegel) und des Prokuristen (Thomas Kujawa) stark prägend. Grundlage sind hier xing, linkedin und tungle. Über die jeweiligen Profile bei yiid kann man Mitgliedschaften in weiteren Netzwerken herausfinden.

Danke!

 

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  • http://www.familienfreund.de/ Thomas Kujawa

    Ich wurde in den letzten Tagen mehrfach wegen dem „Messen“ angesprochen.

    Auf meinem privaten Blog http://blondiedenkt.blogspot.com/2010/02/messung-von-reichweite.html habe ich dazu einen kurzen Artikel geschrieben und mittlerweile sind noch topsy.com, romso.de, whostalkin.com und ubervu.com hinzugekommen.