Wer sich entblößt, schützt seine Privatsphäre mitunter am besten

Leute wie Klaus Eck propagieren ja seit langem, dass man, um seine Reputation zu schützen, das Internet mit Informationen fluten soll, die positiv geprägt sind. Dann sind eventuell erscheinende negative Beiträge nicht so leicht zu finden und das Gesamtbild bleibt eher ein positives.

Zugleich führen wir ja ständig sehr emotionale Privatsphären-Diskussionen. Darin wird die Frage gestellt, wie wir unsere Privatsphäre schützen können. Bei der Suche nach Antworten ist es interessant zu beobachten, wie Prominente mit dem Thema umgehen, denn die haben am ehesten Probleme mit dem Schutz der Privatsphäre, während für viele von uns Unbekannte die Diskussion ja in so mancher Hinsicht eine eher theoretische ist.

Vor diesem Hintergrund finde ich das Interview mit Ashton Kutcher in der Neon-Ausgabe vom August 2010 sehr interessant, der das von Klaus Eck propagierte Prinzip auf sein Problemfeld übertragen erfolgreich anwendet. In diesem Interview-Ausschnitt beantwortet Kutcher Fragen zu dem Thema: [Verlinkungen von mir]

(…)
Sie nehmen das mit der eigenen Öffentlichkeitsarbeit sehr ernst.
Ich habe einige Möglichkeiten ausprobiert, um mich und meine Familie vor unzulässiger Berichterstattung zu schützen. Ich wollte meinen Namen als Markenzeichen schützen lassen, habe Klagen angestrengt und sogar versucht, die Gesetze in Bezug auf Persönlichkeitsrechte von Prominenten ändern zu lassen. Nichts davon hat funktioniert, also habe ich die Angelegenheit per Twitter und Facebook selbst in die Hand genommen.
Sie stehen hinter Britney Spears auf Platz zwei der Twitter-Top-Ten. Beruht dieser Erfolg tatsächlich auf der Idee, sich gegen die Boulevardpresse zur Wehr zu setzen?
Ich wollte mir meine Worte nicht mehr verdrehen lassen, und es war mir bewusst, dass ich mich dafür entblößen muss. Gleichzeitig war ich aber sicher, dass ich die Art der Entblößung auf diese Weise kontrollieren könnte. Klatschblätter leben davon, aus dem Leben anderer Menschen eine Soap Opera zu machen. Ich dachte also: Was wäre, wenn ich die Storyline für diese Seifenoper selber bestimmen könnte?

Wie hat sich das Leben für Sie und Ihre Frau Demi Moore dadurch verändert?

Auf fantastische Weise. Es geht schon damit los, dass ich wieder normal aus meiner Ausfahrt fahren kann, weil sie nicht mehr von Reportern belagert wird. Wir haben den Markt einfach mit Fotos von uns gesättigt. Paparazzi lauern uns nun nicht mehr auf, weil Schnappschüsse von uns nichts mehr wert sind. Weil jeder diese Fotos kostenlos sehen kann, muss niemand mehr ein Klatschmagazin kaufen.
(…)

Meine Interpretation: Letztlich heißt das, dass nicht nur für Top-Prominente eine große Chance darin liegt, aktiv und gezielt in die Öffentlichkeit zu treten und aus sich selbst eine Marke zu machen, die ein ganz bestimmtes gewolltes Bild vermittelt. Die so beeinflusste Fremdwahrnehmung gibt aber nur einen kleinen Ausschnitt des Eigenbildes wider. Da dieser Ausschnitt idealerweise in der Öffentlichkeit aber dominant ist und die diesen Eindruck vermittelnden Informationen so präsent sind, werden auf diese Weise andere Bereiche der Person/Persönlichkeit geschützt.

Beim Lesen des Interviews musste ich unweigerlich an Karl Lagerfeld denken, der es in der Anwendung dieses Prinzips ja zur Meisterschaft gebracht hat. Wie er in diversen Interviews (zwischen den Zeilen) gesagt hat, muss man, wenn man es so weit treibt wie er, dann aber wieder aufpassen, dass das Außenbild nicht so bestimmend wird und die Vermittlung dessen nicht einen so großen Teil des Lebens einnimmt, dass man irgendwann selbst nicht mehr zwischen sich und der Marke unterscheiden kann bzw. dass sich das Eigenbild nicht immer stärker dem (reduzierten) Außenbild angleicht.

Jedenfalls scheint mir dieser Ansatz für den Selbstschutz besser geeignet zu sein als der reine Rückzug, bei dem das Feld anderen überlassen wird. Leider wird Letzteres derzeit in den meisten Diskussionen als das zu bevorzugende Mittel der Wahl präsentiert.

Bildquellen: David Shankbone (Namensnennung 2.0 US-amerikanisch); Georges Biard (Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported)

  • Eine sehr clevere Taktik und wenn man bedenkt, wie hoch der Nutzen sein dürfte, sehr erstaunlich, dass noch nicht mehr Promis diesen Weg eingeschlagen haben. Leider weiß ich nicht mehr, wo ich vor kurzem gelesen habe, dass es einem Mann dank Social Communities nun auch gelungen ist, seinen Online-Ruf wieder herzustellen. Wer ihn googlete erhielt wohl als ersten Eintrag eine Jugendsünde oder sogar Verleumdung präsentiert. Dank eines Aufrufs sind die ersten fünf Seiten an Googletreffern zu ihm positiv – und die wenigsten klicken sich noch weiter nach hinten durch. Wie gesagt, ich finde den Artikel leider nicht mehr und hoffe einfach, mich richtig zu erinnern. Auch wenn das Internet nichts vergisst: durch aktives Handeln kann man im Netz sehr viel erreichen, um seine Persönlichkeit zu schützen.

    • Gerade, wenn man an die jüngsten Geschichten rund um Lothar Matthäus denkt, kommt man zu dem Schluss, dass es bei vielen Promis noch Luft nach oben gibt. Doch leider ist nicht jeder so intelligent wie Kutcher … ;)

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  • Uwe

    Das versuche ich seit 10 Jahren ;-)

    • Na dann weiter so :)

      • Uwe

        Selbst wenn ich wollte, es geht schwerlich zurück. Da müsste man ja selbst bei Archive.org anfragen, um alles komplett löschen zu lassen, und selbst dann werden irgendwo sicher Fragmente herumhängen.

  • Das machen die Stars schon länger, Infos an die Bild selber verkaufen etc.
    Nur wie Ashton gezielt selbst ist neu und sehr cool. Wir Priatleute müssen einfach lernen (gern vom WebErklaerer;) mit dem Internet umzugehen, nicht nur drin umherzugehen bzw. zu Tasten eher gesagt!

  • Birgit Reichardt

    Sicherlich eine sinnvolle Strategie wenn er selbst die Verbesserungen seines Lebens wahrnimmt. Widersprechen möchte ich bei der Gegenüberstellung der Privatsphäre von Prominenten und Nicht-Prominenten. Natürlich lauern uns keine Paparazzi auf und wir können unsere Ausfahrt unbehelligt nutzen. Gut so. Taucht aber Negatives in welcher Art auch immer im Netz über eine Nicht-Prominente Person auf sind die Folgen dramatischer und vor allem existenzieller! Prominente überstehen meistens recht unbeschadet negative Berichterstattung. Zum Einen haben sie i.d.R. ausgesorgt, auch deshalb können sie sich besser wehren, die Öffentlichkeit zieht grundsätzlich in Betracht das Meldungen frei erfunden sind und Prominente haben das knowhow sowie die Möglichkeiten Medien für sich zu nutzen. Auch um sämtliche vergangenen Eindrücke zu überlagern. Zumal Prominente ein gewisses Maß an Öffentlichkeit lieben, weshalb sie ihren Beruf gewählt haben.

    Diese Macht – das Geld – die Möglichkeiten haben wir nicht. Und die Dominanz eines möglicherweise ersten Eindrucks kann man kaum mehr positiv beeinflussen. (Primacy Effect: Psychologisches Gedächtnisphänomen). „You never get a second chance to make a first impression“ sagen die US Amerikaner.

    Für Prominente und Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Öffentlichkeit mag das vielleicht aber sehr gut funktionieren.

    • Zum einen ist natürlich die Frage, wo genau die Trennlinie zwischen Prominenz und Nicht-Prominenz verläuft? Viele haben bspw. zwar keine 5 Mio. Fans auf Facebook wie Ashton Kutcher, sind dafür in ihrer Nische aber recht bekannt. – Da der potenzielle Schaden einzelner negativer Beiträge für weniger Bekannte größer ist, halte ich es für umso wichtiger, entsprechend vorzusorgen …

    • peter haak

      @Birgit
      ‚Der erste Eindruck zählt‘ ist auf jeden Fall richtig. Genauso richtig ist auch ‚der letzte Eindruck bleibt‘. Das heißt doch, für immer wieder neue positive Eindrücke so sorgen. Das gilt nicht nur für das reale ‚man sieht sich immer zweimal‘ sondern auch für die virtuelle Präsenz.
      Deshalb: Start spreading good news.

  • Justus

    Endlich!
    20 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die Lösung da mit der sich jeder gegen die Bespitzelung durch die Stasi hätte wehren können:
    einfach Gesprächsprotokolle von allen Unterhaltungen die man führt veröffentlichen.
    Damit erspart man den Beamten das lästige verwanzen der Wohnung und die somit viel besser gelaunten Staatssicherheitsdiener sind dann vieleicht auch eher geneigt über das ein oder andere Abweichen von der anerkannten Parteilinie hinwegzusehen.

    Dass die in der DDR da nicht VIEL FRÜHER drauf gekommen sind!
    Und wenn man erst die unendlichen Möglichkeiten in Betracht zieht die sich dem Widerstand im dritten Reich ergeben hätten!
    Wenn die das nur gewusst hätten was ihr heute sagt, soviele Tote hätten vermieden werden können!

    Leute, bei solchen „Argumenten“ wird mir nur noch schlecht, ich halte diesen Beitrag für den absoluten Tiefpunkt der gesammten Debatte um LiquidFeedback.
    Das hat nichts mehr mit Transparenz versus Datenschutz zu tun, das hier ist einfach nur noch krank.

    Gruß,
    Justus

    • Danke für den konstruktiven Kommentar und den Superlativ! ;) Ich überlege gerade, ob ich mich hiervon angesprochen fühlen soll?:

      „Dass die in der DDR da nicht VIEL FRÜHER drauf gekommen sind!“

      • Justus

        Ich glaube dir ist noch nichtmal klar was du hier postuliert hast.
        Statt eines verantwortungsvollen Umgangs mit seinen privaten Daten und Äusserungen anzustreben versuchst du hier die Veröffentlichung von derartigen Daten als positiv hinzustellen.

        Vieleicht geht das in ein paar tausend Jahren wenn die Menschheit als solche frei von Bösartigkeit und Zwangsmaßnamen gegen andersdenkende ist, aber ganz bestimmt geht es nicht heute.
        Falls du tatsächlich in der DDR gelebt hast (und dort nicht nur ein paar Jahre deiner Kindheit verbracht hast…) solltest du eigentlich wissen warum man Privatssphäre braucht.

        Hier zu postulieren dass man Datenschutz im Grunde genommen gar nicht braucht, beziehungsweise nur der Datenschutz will der zu blöd ist die richtige Lösung zu finden ist eine Beleidigung an die Millionen Opfer von Terrorregimen in der Geschichte der Menschheit und im aktuellen Zeitgeschehen.
        Frag mal die chinesischen Oppositionellen was sie von deinem tollen Vorschlag halten!

        Gruß,
        Justus

        • Ich suche noch immer vergeblich die Stelle, an der ich behauptet hätte, “dass man Datenschutz im Grunde genommen gar nicht braucht” …

          • Justus

            Ok, möglicherweise sitze ich gerade einem Mißverständnis auf.
            Dein Beitrag wurde im Kontext einer etwas erhitzten Debatte von einem Meinungsführer der einen Seite verlinkt.
            Möglicherweise habe ich ihn dadurch falsch bewertet.

            Geht es dir in diesem Satz („Leider wird Letzteres derzeit in den meisten Diskussionen als das zu bevorzugende Mittel der Wahl präsentiert.“) nur um Prominente oder auch um normale Bürger?
            Falls ja, dann entschuldige ich mich für mein Verhalten, dies basierte auf dem (durch die Verlinkung entstandenen) Eindruck dass dies eine Äusserung im direkten Zusammenhang mit der aktuellen Datenschutzdebatte innerhalb der Piratenpartei war.
            Ich hoffe du verzeihst mir.

            Gruß,
            Justus

          • Schon ok, ist halt ein hitziges Thema. Danke für Deinen letzten Kommentar. Ich persönlich würde die Emotionen gerade bei für uns Durchschnittsbürger so wichtigen Themen etwas zurückhalten und die Fakten sprechen lassen, weil man dann tendenziell mehr Menschen für die eigene Sache gewinnt. Aber die Herangehensweisen sind natürlich so unterschiedlich wie die Menschen selbst.

          • Justus

            Es ist leider schwierig in einer Diskussion in der Teilweise wirklich die Notwendigkeit von Datenschutz verneint wird ruhig zu bleiben.
            Besonders als Person die den Datenschutz für eines der wichtigsten Menschenrechte hält. ;)

            Gruß,
            Justus

  • Ich kann die Strategie, die eigene Geschichte im Internet aktiv zu gestalten nur unterstreichen.
    Es geht ja nicht darum, sensible Information, die man privat halten möchte, ungefiltert ins Netz zu schütten, sondern darum sich erstmal selbst darüber klar zu werden, wie man gesehen werden möchte und dementsprechend Information zu strukturieren und zur Verfügung zu stellen.

    Die Gegenstrategie, Rückzug aus den Sozialen Netzwerken – das ist wie wenn ich aus Angst vor den Gefahren des Strassenverkehrs das Haus nicht mehr verlasse…

  • Pingback: Der Handlungsbogen der eigenen Seifenoper « Mythopoeia 2.0()

  • Ich befürworte es ebenfalls, die eigene Online-Reputation aktiv zu gestalten. Es geht ja – für jene, die es wollen – darum, sich als Person selbst darzustellen, wofür es vielerlei Motivation und Gründe geben kann.

    Anders als Justus, sehe ich auch nicht die Parallelen zur Überwachung in totalitären Regimen. Der Unterschied ist, dass ich bei aktiver öffentlicher Selbstdarstellung mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung jederzeit ausübe, indem ich entscheiden kann a) ob überhaupt oder nicht und b) wenn ja, was ich von mir veröffentlichen möchte.

    Justus‘ sicherlich warnend gemeinte Überspitzung, dann hätte man ja früher in der DDR gleich jedes Gespräch offenlegen können, läuft dem zuwider. Es geht nicht darum, ALLES offenzulegen, sondern es zu KÖNNEN, wenn man will. Und das beinhaltet eine von jedem selbst definierte Einschränkung, da mit der gezielten Informationsauswahl das eigene öffentliche Abbild (die Online-Reputation) selbst gestaltet werden kann.

    Herzliche Grüße aus Berlin.

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  • Wickelkern

    Hier wird aneinander vorbei geredet.
    Auf der einen Seite wird ueberlegt, wie man sich einen Vorteil gegenueber Konkurrenten verschaffen kann, auf der anderen Seite wird ueberlegt, ob die veraenderten technischen Moeglichkeiten zu einem Ungleichgewicht zwischen Staat und Zivilgesellschaft fuehren.

  • Hallo Leander,

    interessanter Ansatz, der Einiges für sich hat. Warum? Weil man selber in Aktion tritt und an den Gesprächen teilnimmt, die in den Bereichen geführt werden, für die man sich interessiert, ob beruflich oder privat.

    Und ich glaube auch, dass es der Richtige ist. Nicht nur, weil ich ein Anhänger des Cluetrain-Manifestos bin, sondern weil ich der Auffassung bin, dass jeder von uns wissen sollte, was über ihn im Internet geschrieben steht. Wie oft kommt es vor, dass Menschen davon über Dritte erfahren. Und dann wissen sie sich nicht zu helfen, weil ihnen niemand gezeigt hat, wie man aktiv an dem was geschrieben wird, auch über einen selbst, teilnehmen kann, um es in den für sich richtigen Bahnen zu wissen.

    Klar funktioniert das nicht immer. Es wird Auseinandersetzungen geben. Aber die, wie es Klaus Dieter formuliert hat, „von jedem selbst definierte Einschränkung, da mit der gezielten Informationsauswahl das eigene öffentliche Abbild (die Online-Reputation) selbst gestaltet werden kann.“

    Jobsuchende etwa können, wenn sie sowieso heutzutage zumeist online aktiv sind, zugleich ein entsprechendes Bild im Netz von sich selbst zeichnen, indem sie an Diskussionen teilnehmen.

    Ein wichtiger Punkt an der aktiven Selbstbildkreation ist letztlich auch, dass man weiss mit dem Internet umzugehen. Wie es Tom formulierte: „Wir Priatleute müssen einfach lernen (gern vom WebErklaerer;) mit dem Internet umzugehen, nicht nur drin umherzugehen bzw. zu Tasten eher gesagt!“

    Beste Grüße

    Johannes

  • Interessante Variation eines „altbekannten“ Phänomerns. (Die Anführungsstriche stehen, weil das Wörtchen „alt“ relativ zu sehen ist in Bezug auf die Zeitverhältnisse im Internet – was gestern noch hochaktuell und brisant war, kann ja heute schon als hoffnungslos antiquiert gelten.)
    Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“, bekommen wir hier mal eine Vorgehensweise demonstriert, wie man sich aktiv und vor allem effektiv gegen einseitig negativ gesammelte Daten zur Wehr setzt bzw. – was vielleicht noch wichtiger ist – einer Verleumdung vorbeugt.
    Ich denke, dass stößt eine neue Denkweise in der Datensammel- und Privatsphäreschutzdiskussion an.
    Interessanter Artikel!

  • Auf den ersten Blick mag es ja ganz plausibel klingen, was der gute Ashton da erzählt. Das Problem dabei: es stimmt einfach nicht. Also, es stimmt nicht, dass die Paparazzi nicht mehr vor der Wohnung in NYC und der Villa in LA stehen und nach wie vor verkaufen sich auch Ashton & Demi-Bilder zu wunderbaren Preisen.

    Als einen leichten Anflug von Hybris empfinde ich, dass Ashton jetzt außerdem denkt, Star, People, InTouch, OK! & Co. würden nicht mehr gekauft werden, weil er Fotos twittert. Es mag zwar eine Schwemme von Bildern geben, aber die gibt es einerseits generell (also Promi übergreifend), andererseits können Ashtons Twitter-Bilder nicht ohne weiteres in Magazinen publiziert werden. Deshalb ist die Nachfrage nach relevanten Bildern des Paares weiterhin vorhanden.

    Zweifelsohne nutzt Ashton Kutcher das Selbstvermarktungsinstrument Twitter auf grandiose Weise, dass er damit aber einen kontrollierenden Einfluss auf die Berichterstattung ausübt oder gar seine Privatsphäre schützt, ist schlichtweg Quatsch.

  • Tilman

    Schön und gut, aber gab es dieses Interview tatsächlich? Bei Neon ist die Frage ja nun wirklich erlaubt. Ausserdem: Warum sollte ein US star ein Interview mit einem unbedeutenden deutschem Magazin machen? War er gerade in Deutschland um seinen neuesten Film zu bewerben?

  • @Tilman Künstler-Interviews werden seit Jahren syndiziert, die gibt’s auf dem freien Markt genauso zu kaufen wie Bilder.

  • Alex Schestag

    Hier wird am eigentlichen Problem vorbeiargumentiert. Sicherlich spricht nichts dagegen, aus sich selbst eine Marke zu machen und gezielt Positives zu streuen. Auch daß der Rückzug nicht unbedingt die richtige Reaktion ist, will ich nicht bestreiten. Die Informationen, die ein User selbst kontrolliert verbreiten kann, sind aber doch auch gar nicht das Problem.

    Das eigentliche Problem sind Privatsphäreverletzungen, die wir nicht kontrollieren können oder die wir vielleicht nicht mal sofort bemerken. Grade in sozialen Netzwerken gibt es so viele Funktionen, deren Konsequenzen für die Privatsphäre die User nicht durchblicken, daß es regelmäßig zu erheblichen unabsichtlichen und teilweise sogar unbemerkten Verletzungen der Privatsphäre kommt. Das beste Beispiel sind Facebook Social Plugins, die völlig unbemerkt vom ahnungslosen Webseitenbesucher Facebook erlauben, die Surfaktivitäten von gleichzeitig bei Facebook eingeloggten Usern zu tracken. Was man mit diesen Informationen alles anstellen kann, muß ich hoffentlich niemandem erklären. Wenn das angesichts der Tatsache, daß Facebook darüber in keinster Weise aufklärt, keine massive Verletzung der Privatsphäre ist, dann weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, was denn noch kommen muß, damit das Problem kein „theoretisches“ mehr sein soll. Die so gesammelten Informationen können im Ernstfall bei einer Sicherheitslücke jedem in die Hände fallen und sind für Analysen verwendbar, die tief in die Privatsphäre eingreifen. Das ist das eigentliche Problem mit der Privatsphäre im Netz. Und daher ist die Behauptung, das Privatsphäreproblem sei für nicht Prominente ohnehin ein theoretisches, im Netz völlig unhaltbar und nicht weit genug gedacht.

  • Benjamin Meyer

    Kennt jemand den Anblick von schön gepflegten Vorgärten? So die mit Gartenzwergen, die einen fett anlächeln und mit perfekt gepglegter Hecke, vielen Blumen? Irgendwie erinnert diese ganze „mein Leben im Internet so positiv wie möglich darstellen“ Diskussion stark an einen Vorort-vorgarten… findet ihr nicht auch?
    Was Ottonormalbürger angeht, soweit es den noch gibt, halte ich es für Unsinn, den „Markt mit Informationen zu fluten“. Wer will das wissen? Und wenn es wer wissen will, warum fragt er nicht einfach? Und wenn er nicht einfach fragt, warum muss man ihm dann antworten? Irgendwie geht bei der ganzen Selbstdarstellerei ein wenig das unter, was Menschen wirklich ausmacht, und das steht nicht auf StudiVZ, wenn ihr mich fragt.

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  • Alex Schestag

    Da kann ich Benjamin nur zustimmen. Diese These von Klaus Eck ist für echte Marken im Sinne von Firmen oder Unternehmern, die sich präsentieren wollen, sinnvoll. Für Privatpersonen ist sie dagegen vielmehr Ausdruck eines fatalen Fehlverständnisses von Privatsphäre im Netz seitens der Post-Privacy-Bewegung, der ich auch Klaus Eck zurechne. Neben den von Benjamin genannten Punkten vergißt die Post-Privacy-Bewegung aber auch, daß viele das Netz mittlerweile nicht nur mit eigenen Informationen fluten, sondern auch – gegen deren Willen und oftmals sogar ohne ihr Wissen – mit Informationen von Dritten. Das beste Beispiel ist hier auch wieder Facebook. Es ist erschreckend, wieviele Leute personenbezogene Adreßdaten Dritter völlig unbedacht mit ihrem Facebook-Account synchronisieren und so in Facebooks Datenbank kippen. Dieser sorglose Umgang mit den Daten und mit der Privatsphäre anderer ist das Krebsgeschwür der Post-Privacy. Völlige Sorglosigkeit und Offenheit im Umgang mit eigenen und mit Daten anderer statt verantwortungsvolle Medienkompetenz scheint mir da die Devise. Und das kann es nun wirklich nicht sein.

  • Ein Interessantes Phänomen das Kutcher in dem Interview beschreibt. Wer in der Öffentlichkeit steht, so wie er, oder auch andere Prominente, Politiker, Firmen usw. und selbst kommuniziert hat die Möglichkeit sein Bild in der Öffentlichkeit zu gestalten und zu kontrollieren. Wer sich nicht selbst ins rechte Licht rückt, der überlässt die Gestaltung seines Image anderen. In diesem Bespiel dem Klatsch-Journalisten.
    Ein Phänomen, dass übrigens sehr schön in dem kommunikationswissenschaftlichen Klassiker „Wir alle spielen Theater“ von e.Goffman beschrieben wird.
    Insofern tun Personen und auch Unternehmen, die in der Öffentlichkeit stehen, d.h. sowieso schon Gegenstand von Gesprächen sind gut daran sich mit ihrer eigenen Stimme Gehör zu verschaffen. Das geht natürlich am besten, indem den direkten Draht zu seiner Zuhörerschaft aufbaut.

    Ob man sich nun als Privatperson eine Online Reputation aufbauen möchte ist eine andere Frage. Es besteht die Möglichkeit sich als Experte o.ä. darzustellen, also ein gezielt ein positives Online-Image aufzubauen um sich beruflich zu positionieren o.ä.

    Als Privatperson muss man sich aber keine Online-Identität aufbauen um gegen negative Einträge im Netz gewappnet zu sein. Zum einen ist das ganze viel zu aufwändig verfolgt man damit nicht auch weitere Ziele. Zum anderen wird über ganz normale Privatpersonen im Netz doch kaum gesprochen. Sie sind ja in den seltensten Fällen Gegenstand öffentlicher Diskussionen.

    Was Klaus Eck meint, kann aus meiner Sicht nur für professionelle Kommunikatoren gelten.

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