Wie viel Geld verlieren Unternehmen durch Menschen, die sich unterhalten und nicht auf Werbeplakate schauen?

Die Nutzung der Sprache sagt ja viel über das Denken aus. Daher stören mich immer Titel von Beiträgen, wie dieser bei t3n, in dem es um Werbeblocker als zunehmendes Problem für die Betreiber von anzeigenfinanzierten Websites geht:

Wie viel Geld verlieren Webmaster durch Adblocker? Hier neue Zahlen & Fakten

So könnte man auch fragen, wie viel Geld Unternehmen durch Werbeverbots-Briefkastenaufkleber verlieren? Oder wie viel Geld Unternehmen durch E-Mail-Spam-Filter verlieren? Oder wie viel Geld Unternehmen dadurch verlieren, dass die Leute sich auf der Straße unterhalten und nicht auf die Werbeplakate schauen? …

Mal abgesehen von der Frage, ob die Unternehmen wirklich Geld verlieren oder ob sie es vielfach nicht eher nie besessen haben: Verlieren die Website-Betreiber wirklich Geld durch Adblocker? Verlieren sie es nicht eher durch ungeeignete Werbung? Sollte man es dann nicht auch so nennen, wie es ist?

Ich fände Letzteres wünschenswert, weil wir ständig erleben, dass die Sprache auch das Denken beeinflusst. Gerade Medienunternehmen argumentieren gern auf ähnliche Weise und leiten dann Ansprüche aus der Argumentation ab – Stichwort Leistungsschutzrecht

Entsprechend ließe sich weiter fragen: Verlieren Medienunternehmen wirklich Geld durch Piraterie oder nicht eher durch anachronistische Geschäftsmodelle?

Und so weiter und so fort …

 

UPDATE:

Es gibt interessante Standpunkte hier in den Kommentaren und von Marcel Weiß, Felix Schwenzel, Martin Weigert, DavidBLN, André Vatter, Perun

 

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von daskerst

  • Pingback: Adblocker und der Glaube vom Naturrecht auf Werbefinanzierung()

  • Uwe

    Es hält sich ja keiner an die Keine-Werbung-Einwerfen-Aufkleber am Briefkasten.

  • Steffi

    Ich versuche mir immer genau zu merken von wem die Prospekte im Briefasten sind und von denen dann nie wieder was zu kaufen. Aber ich vergess’ es eh immer gleich wieder.

    Aber eine super Fragestellung. Ich frag mich ob jene die glauben ich nähme ihnen Geld weg, weil ich mir nicht anhöre was ich mir kaufen soll oder bei ihnen schlicht nix kaufe, blöd oder verlogen sind.

  • Pingback: Diskussion um Werbeblocker: Es gibt nicht nur schwarz oder weiß » netzwertig.com()

  • Pingback: Wolle Rose kaufe? « DavidBLN.de()

  • Deine Vergleich sind zwar sehr anschaulich, hinken allerdings und helfen in der Sache nicht weiter, weil sie meiner Meinung nach Äpfel mit Birnen vergleichen.

    Welchen Wert bietet mir denn der Werbetreibende, der mir seinen Prospekt in den Briefkasten wirft? Oder was habe ich von einer Spam-Mail? Sicher nichts.

    Jemand der eine Webseite besucht, macht dies nicht ohne Grund. Er findet dort Inhalte nach denen er gesucht hat, die ihn interessieren – sprich sie haben einen gewissen Wert für ihn. Wäre das nicht so, würde er die Seite nicht besuchen. So halte ich es zumindest.

    Stören mich dabei, in welcher Form auch immer, die Bemühungen der Seitenbetreiber ihre Arbeit zu refinanzieren, besuche ich die Seite einfach nicht weiter und suche mir die Inhalte auf anderen Seiten.

    Der Einsatz eines Adblockers kommt für mich nicht in Frage, da die Duldung der Werbung für mich eine Wertschätzung für die Inhalte einer Seite darstellt.

    • „Welchen Wert bietet mir denn der Werbetreibende, der mir seinen Prospekt in den Briefkasten wirft? […] Sicher nichts.“

      Ich kenne viele Leute, die das anders sehe und auch ich blättere immer wieder einzelne Prospekte durch. Während es bei einer Website das Thema ist, ist es beim Briefkasten der örtliche Bezug, der die Sache interessant machen kann.

      Ich selbst habe auch noch nie einen Adblocker genutzt und handhabe es ähnlich wie Du. Bei manchen Seiten habe ich es aber schon erwogen, weil ich die Inhalte gut, die Werbung aber z.T. extrem nervig finde.

  • Das Beispiel ist der Überschrift hinkt natürlich gewaltig, aber das weißt du sicher. Plakatwerbung wird schließlichnicht danach bezahlt, wie oft sie tatsächlich gesehen wird, sondern danach, wie oft sie vermutlich gesehen wird. Ähnlich gilt das ja für Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften. Im Internet aber kann ich exakt messen, wie oft eine Werbung gesehen wird und oft wird die Werbung auch danach bezahlt.

    Bei der Werbung im Briefkasten trifft es schon eher zu, weil hier tatsächlich nach verteilter Menge bezahlt wird. Lassen das immer weniger Leute , funktioniert dieser Weg nicht mehr so gut.

    Der Vergleich passt dennoch nicht, weil ich hier den reinen Empfang der Werbung verhindere. Bei der Website geht es darum, dass die Werbung diese Seite finanziert, also überhaupt erst möglich macht. Ich als Besucher muss sie nicht bezahlen, das übernehmen die Werbekunden für mich – sofern ich die Werbung sehe.

    Deshalb ist der Einsatz eines Werbeblockers gleichbedeutend mit einem Einnahmeverlust der kostenlos verfügbaren Seiten, die ich besuche.

    Damit man mich da nicht missversteht: Es ist ja natürliches Recht eines jeden, sich gegen nervende Werbung zur Wehr zu setzend sich dem einfach zu verweigern. Logisch. Aber man muss es schon aushalten, wenn jemand dann konkret mit Zahlen vorrechnet, dass dadurch den Menschen Einnahmen vorenthalten werden, deren Werke man aber offensichtlich zu schätzen weiß.

    Oder liege ich da jetzt ganz falsch?

    • Ich halte ihn nicht nur aus, ich freue mich über Deinen Kommentar! :)

      Ich stimme Dir in allem zu – auch darin, dass es dem Nutzer herzlich egal sein kann, wie die Werbung bezahlt wird oder zustande kommt, wenn er sich dagegen zur Wehr setzen möchte. Ich habe ja auch nicht ausgeschlossen, dass die Unternehmen/Website-Betreiber tatsächlich Geld „verlieren“. Sie tun es aber dennoch eigentlich durch unpassende Werbung, denke ich, und nicht durch Adblocker. Wenn die Kunden die Werbung klasse fänden, würden sie sie nicht blocken, siehe Super Bowl. Eine Art Anzeige-/Anschaupflicht fände ich persönlich absurd. Hieße das, ich darf einen Beitrag nur lesen, wenn ich bspw. 2x auf die Werbung nebenan schaue? Darf ich nicht nicht hinschauen? Darf ich mir im Kino im Werbeteil die Hand nicht vor die Augen halten? Ich hindere mit all dem ja nicht andere am Betrachten der Werbung …

    • @Jan Tißler „Bei der Website geht es darum, dass die Werbung diese Seite finanziert, also überhaupt erst möglich macht“

      Naja, die meisten Print-Zetschriften und Zeitungen gibt es auch nur (noch), weil die Werbungtreibenden sie mit Anzeigen finanzieren. Vertriebserlöse allein reichen nicht aus. Gleiches gilt für die (privaten) TV- und Rundfunk-Sender.

      Adblocker benutzen wir alle in den klassischen Medien schon lange (schnelles weiterblättern, in-Werbepausen-hinausgehen-oder-zappen etc.), Kaum jemand wird sich wohl aus ethischen Motiven eine ganze Werbeinsel im Fernsehen ansehen, um die drumherumliegende Sendung zu fördern…. Oder alle Anzeigen in der Lieblingszeitschrift mal so richtig bewusst wahrnehmen (oder gar Response-Möglichkeiten darauf nutzen), um die Redaktion wertzuschätzen ;-)

      Ein direkter Vergleich zwischen verschiedenen Werbeformen muss meinem Empfinden nach immer hinken, und wenn Werbung nicht funktioniert, kann das viele Gründe haben.

      • @Catrin: Nur für den Fall, dass es nicht bekannt ist: Online-Werbung wird in der Regel danach bezahlt, wie oft sie angezeigt wird. Im Internet kann man das messen. Bei einer Zeitung kann niemand sagen, wie oft die Anzeige wirklich gesehen wurde. Deshalb ist es vollkommen egal, ob du die Anzeige überblätterst oder nicht. Auch ob du dir den Werbeblock im Fernsehen anschaust oder nicht, ist egal, sofern du nicht zufällig zu den paar tausend Leuten in Deutschland gehörst, die eine Messbox der GfK am Fernseher haben.

        Jeder Aufruf im Netz wird aber gezählt. Auch jede Auslieferung eines Werbemittels wird gezählt. Mit Adblocker gibt es zwar den Website-Aufruf, aber eben keine Auslieferung der Werbung. Sprich: Diese Einnahme entgeht dem Webmaster in diesem Moment.

        Das wollte ich nur gern klarstellen, weil ich das Gefühl habe, dass manchen dieser entscheidende Unterschied zu Werbung in TV, Radio, Zeitungen, Plakaten etc. nicht klar ist.

        • @Jan
          Ja, ist mir bekannt, das ist ja das charmante an Online-Werbung.

          Aber auch in klassischen Medien ist es nicht „egal“, ob Werbung beachtet wird. Schließlich stehen die Schaltkosten im Verhältnis dazu, ob und wie die Werbung letztlich aufgenommen wird.
          Zunächst einmal buchen die Werbekunden auf Basis von Prognosen und Erfahrungewerten. Aber Messungen der Heftauflagen, Copy-Tests, Response-Monitoring, zeitnahe Abverkaufs-Messung von beworbenen Gütern etc. beeinflussen die Preisgestaltung. Und die GfK-Boxen stehen ja zumindest theoretisch in repräsentativen Haushalten, die auich ihr Werbeblock-Vermeidungs-Verhalten dokumentieren sollen.

          In großen Media-Agenturen sind ganze Abteilungen damit beschäftigt, tagesaktuell Werbeplatzierungen und ggf. in Nachverhandlungen deren Preise anzupassen. Das gilt speziell für TV. Hier hat gerade der Bezahlungsmodus bei Online-Werbung im Laufe der Zeit viel Einfluss ausgeübt.

          Wenn in einem „klassischen“ Umfeld Werbung langfristig nicht wirkt, wird i.d.R. am Umfeld gearbeitet, damit es sich finanziert. Oder aber das Medium bzw. Format wird sogar ganz eingestellt.

          (An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich in einem früheren Leben Mediaplanerin war :-)

          Herzliche Grüße!

        • Schmidt

          Ich schreibe hier nur, weil es mich wirklich nervt, dass ständig behauptet wird, man könne „messen“ wie oft Werbung „angezeigt“ wird. Das ist einfach eine Lüge und kein Mensch der Welt kann meinem Browser vorschreiben, welche Inhalte er „anzeigt“. Man kann natürlich messen, wie oft eine bestimmte Seite oder einzelne Objeke (Werbung z.B. in Form eines Banners) angefordert werden, aber alles weitere liegt vollkommen in den Händen des Clients und zwischen „anfordern“ und „anzeigen“, geschweige denn „ansehen“ liegen Welten. Das http-Protokoll ist nicht dafür gemacht, in irgendeiner Form zu bestimmen, was am Schluss auf dem Bildschirm steht. Ich kann alle Werbung auch den ganzen Tag erneut laden so oft es meine Bandbreite hergibt, aber angezeigt oder gar gesehen wurde sie dann noch nicht. Das Abrechnungsmodell „pay-per-view“ klingt nur für den werbenden Ahnungslosen schön. Wer sich etwas damit auskennt, wird schnell feststellen, dass hier Zahlen verteilt werden, die vorne und hinten nicht stimmen.

    • @ Catrin: Ich glaube, jeder Vergleich hinkt. :)

      • @Leander: Ach, werde doch nicht gleich so grundsätzlich ….
        (Aber recht hast Du schon ;-)

      • Sorry, ist mir jetzt so rausgerutscht ;) Und Recht hast Du: Alle meine Vergleiche hinken, ich bekenne es offen :)

        • @Leander
          Gerade das Hinken scheint mir in diesem Fall aber das spannende zu sein :-)

  • [i]“…Ich selbst habe auch noch nie einen Adblocker genutzt und handhabe es ähnlich wie Du. Bei manchen Seiten habe ich es aber schon erwogen, weil ich die Inhalte gut, die Werbung aber z.T. extrem nervig finde.“[/i]

    mache dir nicht so viele unnötige Gedanken. Wenn dich die Werbung einer Seite stört … dann gehe einfach nicht hin.

    • Habe Deinen interessanten Beitrag jetzt erst gelesen und gleich mal verlinkt. Die Neidgesellschaft zeigt sich auch im Netz und das wiederum beweist, dass die Übergänge fließend sind.

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