Die Verleihung von sozialer Anerkennung bzw. Reputation als Chance für Flattr, Kachingle & Co.

Aus aktuellem Anlass will ich nochmal auf einen Aspekt hinweisen, den ich hier und da schon versucht habe zu betonen: In diesem Video-Interview unterstreicht WirtschaftsWoche-Redakteur Daniel Rettig die Bedeutung von sozialer Anerkennung als Motor für menschliches Handeln. Das ist nah an meinen derzeitigen Gedanken zum Thema Crowdfunding:

Crowdfunding ist aus meiner Sicht kein neuer, aber ein sehr machtvoller Trend, der in dem Maße noch wichtiger werden wird, in dem die Transaktionskosten für die Umsetzung solcher Vorhaben sinken werden. Im Kern bedeutet er: Wir arbeiten in der Gruppe zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. In der Gruppe können wir das erfolgreicher tun, als wenn jeder für sich arbeitet. Die Beteiligung der Gruppenmitglieder kann dabei ganz verschieden sein. Wenn aber ein Mitglied sich besonders engagiert und zur Zielerreichung beiträgt, dann werden die anderen Gruppenmitglieder das honorieren, um entsprechend Anreize zu setzen. Die Honorierung kann ganz verschieden aussehen. Es können Orden sein. Es können aber auch mit Geld verknüpfte Punkten über Flattr sein. Das beantwortet nämlich auch die Frage, warum Leute freiwillig Geld geben sollten? Eben weil sie selbst davon mittelbar profitieren.

Etwas abstrakter kann man auch so argumentieren: Wir geben Geld oder Geldwertes auf Märkten für das, was knapp ist:

Was aber ist nun knapp? Ein knappes Gut ist bspw. die soziale Anerkennung in einer Gruppe, die ein bestimmtes Ziel verfolgt. Daher denke ich eben, dass soziale Anerkennung bzw. die Reputation auch ein wesentliches Motiv für die Nutzung von Diensten wie Flattr sein kann:

Ich denke, dass hier ein Hebel ist, wie man mehr Menschen dazu bringen kann, Flattr, Kachingle & Co. zu nutzen. Man muss das Geld in Form von sozialer Anerkennung oder Reputation zurückzahlen. Das machen die Dienste schon teilweise, aber noch zu wenig. Bei Flattr kann man über eine Verknüpfung mit dem Nachrichtenstrom bei Facebook anzeigen lassen, was man flattert. Bei Kachingle kann man anzeigen lassen, welche Website durch wen unterstützt wird. Hier haben wir auch wieder ein knappes Gut: Plätze in den Top 10 der Unterstützer (Menüpunkt „Total Paid“):

Hier müssten die Plattformen aber noch viel mehr Arten und Wege bieten, wie die Nutzer zeigen können, was sie unterstützen. Daher verstehe ich auch nicht, warum Kachingle ein Widget baut, das anzeigt, wer aktuell welche Seite aufgerufen und damit unterstützt hat, dieses Widget aber nicht auf Einzelpersonen zuschneidbar macht:

Überspitzt gesagt: Was interessiert mich, was fremde Leute tun … Ich will zeigen, welche Seiten ich unterstütze, und ich will wissen, welche Seiten meine Kontakte unterstützen.

Natürlich gibt es auch Leute, die etwas unterstützen möchten, ohne das sichtbar zu machen. Meine Vermutung ist aber, dass das nicht die Mehrheit ist … Und selbst diese Leute bekommen positives Feedback, indem sie sich selbst ihrer Tat bewusst sind und von ihrem Gehirn dafür belohnt werden, wie es Rettig erklärt. Völlig selbstlos agiert niemand. Der müsste geben, ohne selbst davon zu wissen …