Börsenvereins-Justiziar sinngemäß: Frei zugängliche Inhalte will eh kein Mensch

Was ist vor ein paar Tagen passiert? Die Meldung des Tages (bzw. des gestrigen Abends deutscher Zeit) kommt aus New York: Das dortige Bezirksgericht lehnte das Google Book Settlement ab, womit der Konzern künftig für die Digitalisierung von Literatur in jedem Fall die Zustimmung der Rechteinhaber braucht.

Siehe da: das Internet ist kein rechtsfreier Raum … Ich finde das Urteil gut, weil bestehendes Recht eingehalten werden muss. Es sollte sich niemand darüber hinweg setzen dürfen, wie wir das ja bspw. in der Weltpolitik leider täglich anders erleben. Wenn der Rechtsrahmen nicht mehr passt, weil bspw. neue Technologien Märkte umkrempeln, dann muss in jedem Falle erst das Recht angepasst werden, ehe man anders agieren kann. Sonst endet man in der Willkür.

So weit, so selbstverständlich. Interessant ist es nun, sich die Reaktionen auf dieses Urteil anzusehen. So hat der Justiziar des Buchbranchen-Verbandes Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Dr. Christian Sprang, gestern der Buchbranchen-Verbandsplattform Boersenblatt.net ein Interview gegeben, in dem er zunächst das Urteil gutheißt und die Perspektiven von Googles Projekt einschätzt:

Google wird sich sicher die Frage stellen müssen, ob sich der Aufwand für die Massendigitalisierung noch lohnt, wenn das Verfahren auf „Opt-in“ umgestellt wird. (…) Die Autoren und Verleger können sich das Urteil in Gold einrahmen

Dann aber folgt Wunderliches – im Überschwange des „Sieges“?:

(…) Richter Chin hat darin klar zum Ausdruck gebracht: Das Urheberrecht hat einen Kern, über den man nicht verfügen kann. Es ist ein Eigentumsrecht, und dahinter muss der Anspruch der Internetgemeinde, alle Inhalte zugänglich zu machen, schlicht und einfach zurücktreten.

Schon lange suche ich jemand, der mir die ominösen und vielerwähnten Begriffe „Internetgemeinde“ bzw. „Internet-Community“ erklärt. Wer bitte soll das sein? Alle Internetnutzer? Nutzt Dr. Sprang das Internet nicht, sodass er von einer anderen Gruppe sprechen kann? Wo steht ferner der Anspruch der „Internetgemeinde“ formuliert, alle Inhalte gegen den Willen der Urheber zugänglich machen zu wollen? Das ist doch eine starke Unterstellung, wie ich finde, die einen Beleg verdient.
[Nachtrag 28.03.11: Matthias Ulmer beschreibt, was die “Internetgemeinde” sein soll]

Doch dann geht es noch weiter. Dr. Sprang wird zu der Aufgabe von Verlagen befragt:

Aber haben Verlage nicht zumindest eine moralische Verpflichtung, auch im Internet den Zugang zu möglichst vielen Inhalten zu ermöglichen?

Seine Antwort:

Ganz bestimmt. Aber es ist auch eine Mär zu glauben, dass es im Netz eine ständige Nachfrage nach wichtigen Inhalten gäbe, die kommerziell nicht erhältlich sind. Drei von fünf gemeinfreien Büchern, das zeigt eine aktuelle Untersuchung, sind nach ihrer Digitalisierung nicht ein einziges Mal weltweit genutzt worden.

Auf welche Untersuchung bezieht sich Dr. Sprang und worauf bezieht sich diese Untersuchung? Mit „das zeigt eine aktuelle Untersuchung“ kann man bekanntlich alles „belegen“. Und was will er uns darüber hinaus sagen? Will er uns sagen, dass es keinen Bedarf an frei zugänglichen Inhalten jenseits von Verlagsangeboten gibt? … Ich lese hier eher das übliche Muster des Schutzes des eigenen Marktes heraus. Wir könnten ja mal eine Umfrage starten, um zu schauen, ob Dr. Sprangs Sicht tatsächlich auch die selbstverständliche Sicht der Kunden seiner Kunden ist.

So erfreulich ich es finde, dass das Recht auch im Falle von Googles Buchprojekt durchgesetzt wird, so bedauerlich finde ich es, dass die Verfügbarmachung von Buchinhalten zu langsam voran geht. Während Google bisher schon 15 Millionen Bücher digitalisiert hat, sind es im Falle der groß angekündigten EU-Initiative gerade einmal 1,2 Millionen Bücher. Spiegel Online bringt es auf den Punkt: Google übernimmt Aufgaben, die der Staat nicht erfüllt

Kevin Kelly hat in seinem Vortrag auf der TOC 2011 treffend festgestellt: We used to be people of the book, now we are people of the screen. Daher sollten nun möglichst alle Buchinhalte auf Bildschirmen verfüg- und einfach nutzbar sein. Noch immer steckt unser Wissen aber im Wesentlichen zwischen Buchdeckeln. Je langsamer die Digitalisierung also voran geht und je stärker die Anbieter ihre Märkte abschotten und den Wandel verlangsamen, desto eher werden die Leute zu (illegalen) Alternativen greifen. Die Piraterie nimmt ja schon jetzt massiv zu. Zudem werden die Möglichkeiten, selbst Bücher zu scannen, immer besser. So könnte sich das Urteil gegen Google langfristig auch für die Buchbranche als Pyrrhussieg erweisen.

  • Mich würde die Studie auch interessieren, auf die sich Hr. Sprang bezieht. Steht ja auch im Widerspruch zur Long Tail-Nachfrage des Internets…
    Gerade die Zurverfügungsstellung digitaler Inhalte, und zwar in relevanter Breite, wird ja im Branchenkonsens gerne kolportiert (jedenfalls im Umfeld der E-Book-Studie der GFK und des Börsenvereins). Nur so kann dem massiven illegalen Kopieren Einhalt geboten werden. Jetzt hinzustehen und zu sagen „Leute, eigentlich lohnt sich das nicht, will ja kein Mensch“ ist hier mehr als kontraproduktiv.

  • Die Frage ist auch, was man unter „Nutzung“ versteht. In Buchbranchenkreisen ist es ja schick geworden, zwischen löblicher Lektüre im klassischen Sinne (möglichst ohne Kopiermöglichkeit) und seelenlosem, verderblichem Data-Mining zu unterscheiden.

    Ich bin überzeugt, dass Data-Mining (zumindest als ein der gründlichen Lektüre vorgeschalteter Filtermechanismus) überhaupt nichts Schlechtes, sondern vielmehr in vielen Wissensgebieten und Industriezweigen ein nützliches, ja notwendiges Mittel zur effizienten Informationsverwertung ist. In einigen Industriezweigen wird es schon systematisch praktiziert – allerdings weitestgehend unter Umgehung des deutschen Medienmarkts, der mangels digitaler Masse und praktikabler Zugänge zu den Datenbeständen schlicht und einfach abgehängt wird.

    Bei dieser Art der Nutzung sind wir in Europa einfach noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem Quantität in Qualität umschlagen könnte.

  • Ich denke auch, dass Data-Mining notwendig ist. Je größer die verfügbare Informationsmenge ist, desto stärker müssen wir am Ende filtern, um die jeweils relevantesten Informationen zu finden. Dies wäre aus meiner Sicht auch ein möglicher sinnvoller Ansatzpunkt, um sich als Branche zu positionieren – so man das überhaupt tun möchte. Sinnvoller jedenfalls als von einem „Prinzip Buch“ zu sprechen. Dann merkte man auch, wieviele Schnittmengen es mit IT-Unternehmen, Presseverlagen u.ä. gibt.

    Wenn die Inhalte aber gar nicht erst verfügbar und nutzbar gemacht werden, hat man schon im Vorhinein verloren.

  • Wenn Herr Sprang seine abenteuerliche Behauptung (60% aller digitalisierten gemeinfreien Bücher wären bislang kein einziges Mal heruntergeladen worden) nicht korrigiert, sollte man ihm mit einer einfachen Statistikauswertung der Download-Statistik von 2,7 Millionen ebooks des Internet-Archivs auf die Sprünge helfen:
    Unter http://www.german-dataservice.de/archive-org-die-101000-Titel-mit-weniger-als-5-downloads.txt haben wir eine aktuelle Liste der 101000 unbeliebtesten Titel eingestellt. Man sieht, dass allein über das Internet-Archiv (www.archive.org) fast alle 2,7 Millionen Titel mehr als 4 mal heruntergeladen wurden.
    Unter http://www.german-dataservice.de/archive-org-die-100000-beliebtesten-Titel.txt kann eine weitere Liste mit den 100000 beliebtesten Titeln eingesehen werden. Hiervon wurde keiner weniger als 500 mal downgeloadet.
    Herr Sprang betreibt Geschäftsschädigung für kleine Unternehmen wie german-dataservice, die sich seit Jahren mit bescheidenem Erfolg bemühen, Entscheidungsträger von der Notwendigkeit der Massendigitalisierung zu überzeugen. Auch werden immer wieder falsche Zahlen ge nannt, wenn es um die anfallenden Kosten geht. Das Digitalisieren eines durchschnittlichen Buches kostet nur ca. 10 € !

  • Weil hier das Seelenlose Datamining erwähnt wird und die kostengünstige Digitalisierung eines Buches (wirklich nur 10,-€?!? in Indien oder wo?):

    Wie sieht man das hier denn eigentlich mit der typografischen Aufbereitung dieser Daten? Schließlich müssen diese Texte ja auch gelesen werden. Ich finde die momentanen erhältlichen eBooks oft einen echten Graus zu lesen. Das liegt aber nicht am Medium eBook, sondern an der lieblosen hingeworfenen Textmasse. Auch bei der Gestaltung von Webseiten weiß man doch heute, was eine lesefreundliche, dienliche Typografie ist und wie sie hilft, das zu Lesende aufzunehmen. Gute Typografie braucht aber auch immer ein bisschen Zeit und damit auch Geld.
    Datamining und leichte Zugänglichkeit zu (auch kommerziellen) Texten ja, aber doch bitte Leserfreundlich! Wie seht ihr das?

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  • „Datamining und leichte Zugänglichkeit zu (auch kommerziellen) Texten ja, aber doch bitte Leserfreundlich!“

    Für das Data-Mining selbst und für ähnliche voll- oder halbautomatische Datenauswertungen ist die Typographie noch egal; da „liest“ ja Kollege Computer. Aber danach, bei der Darstellung der Ergebnisse, ist m. E. nicht nur gute Typographie gefragt, damit die wichtigsten Zusammenhänge wirklich deutlich werden, sondern auch innovative Infografik und alles, was sich in der Schnittmenge zwischen diesen Arbeitsfeldern abspielt. Tag-Clouds sind da nur der triviale Anfang.

    Meiner Überzeugung nach wird der Bedarf an guten, findigen Typographen und Infografikern (möglichst mit etwas Informatik-Knowhow) in den nächsten Jahrzehnten eher steigen. Es wäre Unsinn, Datenbestände anzuhäufen und automatisch durchkämmen zu lassen – und dann mit den Resultaten nicht viel anzufangen, weil man sie ohne (typo-)graphische Aufbereitung gar nicht richtig begreift.

    Mir wäre dabei die Möglichkeit wichtig, dass die User selbst bestimmen können, wie nah sie an die Originaldaten herankommen. Denn in einem Fall, der mich nur am Rande interessiertn, begnüge ich mich vielleicht mit einer algorithmisch generierten Zusammenfassung; im nächsten Fall will ich womöglich tiefer in die Zusammenhänge einsteigen, weil mich das Thema interessiert oder weil mir ein angeblicher Zusammenhang zwischen zwei Begriffen seltsam vorkommt.

  • Unter dem Stichwort Digitalisierung wird alles subsumiert, was möglich ist. Digitalisierung von Bibliotheksbeständen (wie eine Quelle von Google Books), Digitalisierung von Büchern aus der Backlist bei Verlagen und die Bereitstellung von Büchern als Print und eBook. Gemein ist allen drei nur, daß am Ende eine digitale Form des Buches herauskommt. Unterschiede gibt es bei den Grenzen und Beschränkungen des Urheberrechts und der technischen Aufbereitung. Schön wäre es, wenn wir die drei Punkte in der Diskussion nicht vermischen würden.
    Aber zurück zum eigentlichen Kern des Beitrags: ich stimme Leander zu, daß Europeana und Deutsche Digitale Bibliothek wohl kaum die Dimensionen von Google Books erreichen werden. Also staatlicherseits gibt es Ansätze eines Konkurrenzprojektes, nur fehlt es an vielem, u. a. auch am Geld (mehr dazu in meinem Blogbeitrag zu diesem Thema: http://digiwis.de/blog/2011/03/23/google-book-settlement-ist-gescheitert-wie-geht-es-mit-grossen-digitalisierungsprojekten-weiter/.
    In den Ausführungen von Herrn Sprang finde ich diskussionswürdig, daß er die Rolle der Autoren völlig unterschlägt. Durch das Urteil sind in erster Linie Autoren als URHEBER gestärkt worden, danach kommen die Verlage als VERWERTER. Leider wird diese Unterscheidung in seinen Ausführungen unterschlagen. Übrigens ein Grund, warum OPEN ACCESS (freier Zugang!) im Wissenschaftsbereich auf dem Vormarsch ist. Ein Grund für Verlage, über ihr Verhältnis zu den Autoren nachzudenken.

  • Matthias Ulmer

    Ein sehr sonderbarer Blogbeitrag. Erst beklagen Sie, dass Herr Sprang den Begriff Internet-Gemeinde verwendet und Sie nicht wissen, wer das sein soll. Obwohl vermutlich jeder weiß, was damit gemeint ist, außer Ihnen. Und dann beklagen Sie, dass es eine Unterstellung sei, dass eben diese Gemeinde sämtliche Inhalte kostenlos verfügbar machen will, gegen den Willen der Autoren, obwohl das in Sprangs Text noch nicht einmal steht (und man sich fragt, wieso Sie Sprangs Aussage bestreiten können, wo Sie doch gar nicht wissen, auf wen die sich bezieht). Und wenige Zeilen später fordern Sie, dass nun möglichst alle Buchinhalte auf Bildschirmen verfüg- und einfach nutzbar sein sollten. Sehr wirr, das alles.
    Der Gipfel Ihrer Kritik ist dann, dass Herr Sprang eine aktuelle Untersuchung zitiert die behauptet, dass drei von fünf digitalisierten gemeinfreien Büchern nicht ein einziges Mal genutzt wurden. Wobei Sie insbesondere kritisieren, dass Sie diese Studie nicht kennen. Gut. Aber mit oder ohne Studie, die Zahl halte ich für glaubwürdig. Auch eine Bibliothek dürfte über den gesamten Bestand bei mehr als der Hälfte der Titel innerhalb eines Jahres keine einzige Ausleihe zu verbuchen haben. Herr Sprang bezieht sich wohlgemerkt auf gemeinfreie Titel, grob gesagt also Titel vor 1920. Ich kenne Aussagen von Bibliothekaren, die bezogen auf E-Book-Pakete mit Neuerscheinungen von wissenschaftlichen Verlagen davon sprechen, dass 80% kein einziges mal aufgerufen wurden.
    Genau deshalb ist ja die Digitalisierung gemeinfreier Bestände eine Aufgabe der öffentlichen Hand, weil sie gänzlich unwirtschaftlich ist.
    Und zu Frau Richter: Herr Sprang sagt doch ausdrücklich, dass Autoren und Verleger sich das Urteil in Gold einrahmen können? Und der Börsenverein ist doch bewusst nicht solo sondern in Eintracht mit den Autorenvertretern über die VG Wort in New York mit Objections aufgetreten?
    Ich habe das Gefühl, hier werden mehr Reflexe abgefeiert als ernsthaft argumentiert. Schade.

  • Sie haben Recht: Ich finde es wünschenswert, dass möglichst viele Inhalte im Internet verfügbar sind. Das heißt aber nicht, – wie ich auch schon im Beitrag geschrieben habe – dass ich den Anspruch habe, dass Inhalte gegen den Willen der Urheber/Rechteinhaber verfügbar gemacht werden. Diese Unterscheidung haben Sie unterschlagen. Von zwingend kostenlos verfügbar machen war auch nicht die Rede.

    Wenn Sie wissen, was mit „Internetgemeinde“ gemeint ist, dann verraten Sie es uns doch bitte.

    Eine Diskussion, die darauf fußt, an was für Zahlen wir so glauben, ist sicher sehr produktiv.

  • Matthias Ulmer

    Zwei sophistische Fragen, die Sie da stellen. Das wird uns wirklich weiter bringen! Aber bitte:

    Die Internetgemeinde ist ein Begriff wie so viele, etwa „die Konservativen“ oder „die Jugend“, die „Traditionellen Milieus“ oder „die Kleingärtner“ etc. Wenn ich in diesem Sinne die Internetgemeinde beschreiben sollte, dann würde ich sie zwischen heise-online und gulli, zwischen den Piraten und Online Games verorten, natürlich einschließlich aller Blog-Autoren!

    Und: auch Herr Sprang schreibt nichts von „gegen den Willen der Urheber“, sondern nur, dass der Wunsch auf allgemeine Verfügbarkeit hinter den Eigentumsrechten zurückstehen muss. Und bezogen auf den Gegenstand, das Google ABA, kann das ja nur heißen: der Wunsch „der Internetgemeinde“ nach einer allgemeinen Verfügbarkeit der Inhalte durch Google muss hinter dem Eigentumsrecht der Autoren zurückstehen. Also will die Internetgemeinde Inhalte haben, gegen den Willen der Autoren digitalisiert hat aber Google. Also unterstellt Herr Sprang auch der Internetgemeinde nichts, sondern wenn überhaupt, dann Sie Herrn Sprang.

  • Vielen Dank für Ihre Beschreibung des Begriffes „Internetgemeinde“. Ich bin Ihnen ehrlich dankbar, weil sich sonst alle um eine solche Beschreibung herum drücken. Ich greife sie ggf. noch im Blog auf.

    Was mich mittlerweile nervt, ist, dass aus meiner Sicht an vielen Stellen immer wieder suggeriert wird, dass die „Internetgemeinde“ automatisch auch ein Vorgehen Googles gutheißt. Warum sonst würde Dr. Sprang diese Selbstverständlichkeit sonst betonen? Und woher nimmt er die Gewissheit, dass alle diese Leute der „Internetgemeinde“ alle Inhalte zugänglich machen möchten? Ich kenne durchaus Blogger, die das nicht so sehen.

    „Es ist ein Eigentumsrecht, und dahinter muss der Anspruch der Internetgemeinde, alle Inhalte zugänglich zu machen, schlicht und einfach zurücktreten.“

  • Pingback: Matthias Ulmer beschreibt, was die “Internetgemeinde” sein soll | Leander Wattig()

  • Herr Ulmer verteidigt in obigem Kommentar die unhaltbaren Äusserungen seines Justitiars, Herrn Sprang, indem er den Kern der Falschmeldung negiert: Herr Sprang behauptete: „Drei von fünf gemeinfreien Büchern, das zeigt eine aktuelle Untersuchung, sind nach ihrer Digitalisierung nicht ein einziges Mal weltweit genutzt worden.“
    Allein die Statistik des größten Aggregators von gemeinfreien Titeln, dem Internet-Archiv beweist in eindrucksvoller Weise, dass diese Meinung – verbrämt durch eine angeblich vorhandene Untersuchung – unqualifiziert ist. Durch diese Äusserung werden alle Digitalisierungsprojekte der letzten Jahre verhöhnt.
    Auch Herr Ulmer bemüht sich nicht um Objektivität. Er tut so, als wenn Herr Sprang nur von einzelnen Bibliotheken oder kleineren Anbietern gesprochen hätte, bei denen keine Abrufe stattgefunden hätten. Leider behauptete Herr Sprang in seiner Funktion als oberster Rechtshüter der deutschen Verlags- und Buchhändler-Welt, dass nach der Digitalisierung auf der ganzen Welt bei 60 % der Titel kein einziger Abruf stattgefunden hätte. Herr Sprang hält es scheinbar auch nicht für nötig, seine Fehlmeinung zu korrigieren.
    Ansonsten kann man Herrn Ulmer immer wieder bescheinigen, dass er etwas von Digitalisierung versteht. Er ist einer der wenigen, die erkannt haben, dass man Bücher für durchschnittlich 10 € digitalisieren kann. In letzter Konsequenz würde dies ja bedeuten, dass man die ca. 2 Millionen allgemeinfreien deutschen Bücher mit einem Prozent des Budgets der deutschen Bibliotheken über das Internet verfügbar machen könnte.
    Auch ist es richtig, dass die meisten alten (gemeinfreien) Bücher in Bibliotheken eine durchschnittliche „Wartezeit“ bis zur nächsten Ausleihe von durchschnittlich 8 Jahren haben (eigene Recherche von german-dataservice). Umso erstaunlicher ist es, dass diese „alten Schinken“ im Internet eifrig downgeloadet werden. Die aktuelle Liste der 100000 beliebtesten Bücher weist ein Download-Volumen von ca. 100 Millionen Downloads auf (wohlgemerkt lediglich für 4 % von 2,7 Millionen Titel).

  • Cool :)
    Werde morgen mitdiskutieren.
    Vosab: Bin auf Seiten von Matthias.

  • Und, kann man von kostenlosem Content als Verleger, Autor, Buchhändler, Berater leben? Wohl eher nicht. Und darum geht es schließlich: Es muss sich irgendwie lohnen. Problematisch sehe ich die hohen Hürden durch Urheberrecht und DRM. Andererseit: Im Netz gibt es viel „umsonst“; ob legal oder nicht. Wer will, der findet. – Es fehlt bisher ein überzeugendes Cash-für-Information-System. Faszinierend ist jedenfalls die Demokratisierung der Information. In bare Münze durch regulären „Verkauf“ wandelt sich die Information aber eher seltener um!

  • @Herr Ulmer

    Schaut man sich die Berichterstattung, Kommentare und Äußerungen zu Google Books Settlement an, erscheint es mir, daß die Stärkung der Autoren als Urheber weniger deutlich genannt wird, als eben der Erfolg für die Verlage. Vielleicht hängt es auch an den einschlägigen Branchennachrichten, die für die Berichterstattung aus der Verlagsbranche dienen. Was mich bei dieser Diskussion stört, ist die Verwischung der verschiedenen Teile von Google Books. Gedanklich klar zu trennen, zu definieren hilft der Diskussion um Urheberrecht, Verwertung und Nutzung ungemein. Ansonsten sehe ich mich trotz intensiver Nutzung des Internets nicht als Mitglied der von Ihnen definierten Internetgemeinde. Letztlich nutzen alle, die Zugang und den Willen zur Nutzung haben, das Internet – quer durch alle wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und sprachlichen Schichten. DIE Internetgemeinde, mehr pejorativ gebraucht, ist eine Assoziationsfläche im Sinne eines „wir-gegen-die“, übrigens in beide Richtungen gebraucht.

  • Hinsichtlich der Nutzung von physischen Bibliotheksbeständen haben Christian Sprang und Matthias Ulmer vollkommen recht. Es ist ein bibliothekswissenschaftlicher Allgemeinplatz, dass zumindest in Universitätsbibliotheken ein Großteil des Bestands innerhalb seiner Lebenszeit nach der Erwerbung niemals wieder angerührt. Das mag unwirtschaftlich klingen, ist aber vernünftig: Es geht nicht darum, dass ein Titel tatsächlich genutzt wird, sondern dass er genutzt werden könnte. Die Wissenschaft benötigt den potentiellen und möglichst vollständigen Zugang zu allem publizierten Wissen, für den Fall, dass in einem dieser wenig bis nicht nachgefragten Bände tatsächlich das Quantum Erkenntnis aufschimmert, das es braucht, um eine andere Erkenntnis zu vollenden. Lange Zeit litten Bibliotheken bzw.ihre Nutzer daran, dass ein Großteil der Bestände nur sehr grob erschlossen in Magazinen stand und explizit angefordert musste. Mit der Freihandaufstellung fiel eine Hürde. Mit der Volltextdigitalisierung und dem Freitextzugang im Web wird der Zugang nennenswert erleichtert und allein schon die Erschließung durch Suchmaschinen sorgt dafür, dass man Ranganathans Ideal „every book its reader“ etwas näher kommt.

    Es ist also wahrscheinlich, dass sich dadurch die so genannte Serendipity (das zufällige Auffinden eines relevanten Werkes) erhöht. Dass am Ende quantitativ mehr oder in der Masse wirklich vielfältiger gelesen wird, bezweifle ich allerdings, da Wissenschaft wie jedes soziale System dazu neigt, auch für Lektürebiografien eher feste Bahnen als common ground auszuentwickeln. Ein Download allein ist noch keine Lektüre – jedenfalls scheint es mir so, wenn ich an die to-read-Ordner voller PDFs auf meinen Festplatten denke.

    Was die von Matthias Ulmer angesprochenen E-Book-Pakete in Bibliotheken angeht, liegt das Problem wohl darin, dass sie oft wenig handlich daherkommen bzw. für die Nutzer hinsichtlich Umfang, Abruf und Lesemöglichkeiten nicht richtig eingeschätzt werden können. Das wird sich sicher ändern. Wer aber selektiv eine Information sucht, will nicht jedesmal eine neue Oberfläche zu benutzen lernen und neue AGBs lesen. Oder den Bibliothekar fragen, ob er denn am elektronischen Leseplatz wirklich aus einem E-Book per Hand abschreiben muss, oder ob nicht doch ausnahmsweise ein Download möglich ist, weil die Bibliothek in fünf Minuten schließt. Am Ende geht er wahrscheinlich mit einem zerfledderten Druckexemplar aus der Lehrbuchsammlung heraus und fragt sich, welchen Vorteil die Digitalisierung eigentlich hat. Und beim nächsten Besuch hält er sich lieber gleich ans Regal.

    Die nicht immer klare (rechtliche) Lage der Nutzungsmöglichkeiten und des Nutzungsumfangs elektronischer Bücher dürfte folglich im digitalen Bereich für viele eine nicht unerhebliche Schwelle darstellen.

    Der große Vorteil der Google Book Search liegt denn auch in den klassischen Stärken der Suchmaschine: Sehr viel ist über eine sehr einfache Oberfläche schnell durchsuch- und auffindbar und das von jedem Internetarbeitsplatz der Welt. Dieser Ansatz hat deutlich Grenzen, für das Aufspüren von Information in Büchern ist es momentan jedoch das einfachste und flinkeste Werkzeug.

  • Matthias Ulmer

    Sehr hübsch, Herr Kaden, der Seitenhieb zu 52b!
    Ihre sehr interessanten Ausführungen möchte ich an einem Punkt ergänzen: bei den Dowloadzahlen digitaler Bibliotheken sollte man die Statistiken sehr vorsichtig interpretieren. Auch hier wirkt aktuell noch der Candystore Effekt. Alleine die Verfügbarkeit als Download bringt zahlreiche Leute, insbesondere aus der „Internetgemeinde“ dazu, alles auf die eigene Festplatte herunterzuladen. Das sind Info-Messies die den Besitz von Dateien mit Wissen verwechseln. Jeder, der mal eine kostenlose App in den AppStore gestellt hat kennt die zigtausend Downloads, bei denen man sich fragt, was zum Teufel die Leute damit wollen.
    In ein paar Jahren ist dieses Phänomen vorbei, dann greift man nur noch auf das zu, was man tatsächlich braucht. Und dann werden die Zahlen (nach meiner ganz subjektiven Einschätzung) nicht weit von dem weg sein, was Herr Sprang andeutet: was rechtefrei ist wird in der Regel auch wenig genutzt, weil alles was viel genutzt wird eben auch kommerziell verwertet werden kann und deshalb nicht rechtefrei gestellt wird.

    • Der „Info-Messieismus“ meint, was ich mit: „Ein Download ist noch keine Lektüre“ sagen wollte.

      Ich bezweifle aber, dass er die Jünger des „Info-Messianismus“ betrifft. Meiner Erfahrung nach sind es also weniger die Leute aus dem harten Milieu, die Dateien horten, wie manche Vertreter früherer Generationen Bücher oder eingewecktes Obst. Diese Akteure sind technisch eher so versiert, dass sie das meiste in der Cloud geborgener wissen, als auf ihrem Netbook. Gerade die Idee eines permanenten Free-Flow of Information relativiert die Notwenigkeit des Besitzenmüssens… Die eigentlichen Hamster hängen meisten noch im Laufrad der prä-digitalen Informationskulturen fest.

      Genau genommen führt daher der Bezugspunkt „Download“ in die Irre, denn er impliziert eine objektartige Inbesitznahme. Dabei werden im elektronischen Bereich eigentlich keine Repräsentationen von Inhalten (z.B. Bücher) mehr verkauft oder verliehen, sondern es wird die Zugangsmöglichkeit mit einem bestimmten Nutzungsspektrum eingeräumt.

      Ich halte daher E-Books, die als Download-Dateien in den Besitz des Käufers übergehen, für eine anachronistische Nachmodellierung analoger Bedingungen. Denn dieses Konzept wird keiner von beiden Medienformen gerecht, führt aber in ein rechtliches Tohuwabohu – man denke nur an das Problem des Weiterverkaufs durch Endnutzer.

      Die Schwierigkeit, die große Teile wenigstens des deutschen Verlagswesens mit elektronischen Büchern haben, liegt möglicherweise schlicht darin, dass ihnen die Transformation vom Objektabsatz zum Zugangsmanagement sehr schwer fällt. Als Besucher der Buchmessen habe ich mich denn auch regelmäßig gefragt, warum dieser Weg so gesucht wird und ob es denn wirklich erforderlich ist, das E-Book als Hoffnungsmedium für den Buchmarkt in voller Breite derart durchpeitschen zu wollen. In den meisten Bereichen tut es meiner Meinung nach das P-Buch genauso, oft besser und vor allem nutzungsrechtlich eindeutiger.

      Ich nehme an, dass sich längerfristig neue Akteure und Formen elektronischer Inhalte jenseits der bestehenden Verlagswirtschaft etablieren. Die paar gemeinfreien Werke des Projects Gutenberg oder anderer dürften in diesem Kontext tatsächlich eher am Rand stehen.

      Für die Wissenschaftskommunikation mögen die Karten noch anders liegen und sind dort zusätzlich disziplinär und hinsichtlich Lehre/Forschung unterschiedlich gemischt. Daher schiene es mir sinnvoll, der formalen Diversifikation von Nutzungsweisen und Medienformen perspektivisch wenigstens ebenfalls im Urheberrecht Rechnung zu tragen und einen naturwissenschaftlichen Zeitschriftenaufsatz nicht den gleichen urheberrechtlichen Bedingungen zu unterwerfen, wie eine leinengebundene Klassikerausgabe.

      Abschließend noch eine kurze Anmerkung zur Annahme: „weil alles was viel genutzt wird eben auch kommerziell verwertet werden kann und deshalb nicht rechtefrei gestellt wird.“

      Die Kette „kommerzielle Verwertung“-„hohes Schutzniveau“-„emsige Nutzung“ ist schon allgemein nicht völlig zutreffend, denn von den 80.000-90.000 Buchtiteln, die mit vollem Schutz versehen jedes Jahr auf den deutschen Buchmarkt drängen, werden in der Regel nur sehr wenige viel genutzt. Viele Verlage pokern oder hoffen bzw. zielen auf Bibliotheken oder Nischenzielgruppen, die bestimmte Absatzzahlen a la Long-Tail garantieren.

      Konkret in der Wissenschaft kennt man das Phänomen (das sich dank Open Access auch bei kommerziellen Anbietern teilweise mittlerweile relativiert und in anderer Form wieder aufersteht), dass gerade die Zeitschriftentitel, die nur für wenige Wissenschaftler und vielleicht auch nur zur Kenntnisnahme oder Zitationsnachweis interessant, dafür aber unverzichtbar sind, dazu neigen, den Bibliotheksetat besonders zu strapazieren.

      Die kommerzielle Verwertung läuft nach meiner Wahrnehmung vor allem dann zu Höchstleistungen auf, wenn Monopolstrukturen existieren. Das war der Auslöser der Zeitschriftenkrise und vielleicht auch die Kerngefahr des Google Book Settlements. Die Entscheidung aus New York ist vor allem deshalb zu begrüßen, weil nun die Notwendigkeit besteht, sich bezüglich des Digitalen Urheberrechts etwas Sinnvolleres einfallen lassen zu müssen.

  • Matthias Ulmer

    Natürlich funktioniert die Aussage nicht, wenn man sie umkehrt! Was begehrt ist kann auch kommerziell verwertet werden. Aber nicht alles, was kommerziell verwertet wird, ist auch begehrt!
    Das Monopolthema scheint mir eher wieder in den Nebel zu führen. Ein starkes, attraktives Produkt hat immer ein Alleinstellungsmerkmal und bietet beim Pricing große Chancen. Das ist nicht ungewöhnlich und ist deshalb noch lange kein Monopolthema. Und die Ursache der Zeitschriftenkrise ist wenigstens zu 66% universitätsgemacht.

  • @Leander

    1. Internetgemeinde und deren „Anspruch“

    Du schreibst, Herr Sprang nutze den Begriff der „Internetgemeinde“, ohne ihn zu definieren und er formuliere einen Anspruch („alle Inhalte zugänglich zu machen“) dieser Gemeinde, der so gar nicht geltend gemacht würde.
    Was die Internetgemeinde genau sein soll, spielt hier kaum eine Rolle (daher auch der insofern berechtigte Hinweis von Herrn Ulmer „sophistische Frage“).
    Das Missverständnis lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass in der juristischen Betrachtung Rechtspositionen miteinander abgeglichen werden. Auf der einen Seite haben wir hier also das Eigentumsrecht des Urhebers, auf der anderen Seite den in vielen Fällen berechtigten Wunsch der Internetnutzer nach kostenlosem Zugang. In dieser Abwägung unterliegt letzteres.
    Du beziehst Dich in Deiner Argumentation auf das subjektive Moment, „alle Inhalte gegen den Willen der Urheber zugänglich machen _zu wollen_“. Du möchtest nicht, dass diese Motivation irgendjemandem unterstellt wird. Wird sie -durch den Beitrag von Herrn Sprang- auch nicht. Es geht vielmehr um das berechtigte Interesse an der Verfügbarmachung kulturell bedeutsamer Inhalte. Dieses Interesse besteht seitens der Nutzer des Internets (der Internetgemeinde). Dieses Interesse war in die Abwägung einzustellen und unterlag im Ergebnis (selbstverständlich).

    2. Nutzung gemeinfreier Bücher
    Das von Herrn Sprang genannte Verhältnis (3 von 5 Büchern ungenutzt) entspricht dem, was Du auf Tauschbörsen beobachten kannst: Ich suche einen Musik-Titel, also lade ich mir die entsprechende Diskographie (Gesamtwerk) herunter, stöbere nach weiteren schönen Songs und lösche den Rest. Dabei werden oft mehr als 99% der Songs gelöscht. Hier hatten wir also einen Download, im wirtschaftlichen Sinn aber keine Nutzung.
    Diese Beobachtung kannst Du z.B. auch bei De Gruyter machen, wo hunderte von Papierbüchern nur noch einmal existieren und erst im Falle der Bestellung digitalisiert werden. Auch hier sind die tatsächlich nachgefragten Werke einzelne Ausreißer.

    @Steffen

    Long Tail funktioniert (nur) bei Spezialisierung. Die zur Diskussion stehenden gemeinfreien Werke dürften dem nur in Ausnahmefällen entsprechen (noch weniger als im Verhältnis 3:5).

  • Zum Urheberrecht etc. empfehle ich zwei Videos:
    „Urheber 2.0 Jeder Nutzer ein Pirat?“: http://www.youtube.com/watch?v=FbFjYSkkcAs

    Interview mit Prof. Hoeren über Urheberrecht: http://www.youtube.com/watch?v=ubXr9vmpVoo&feature=related

    Der Traum des Zugangs zum Wissen der Welt gibt es seit Menschengedenken. Letztlich geht es um die feine Balance zwischen Urheber und Nutzer (Zwischenstation: Verwerter). Das zeigt auch die Bemühungen um die Reform des Urheberrechts (Korb 3) oder der Vorschlag von Till Kreutzer im Rahmen der Collaboratory-Denkfabrik (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Googles-Think-Tank-stoesst-Debatte-um-neues-Urheberrecht-an-1209532.html).

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  • Die Diskussion ist ja ziemlich abgeglitten…
    Es ging darum, dass Herr Sprang im Überschwang seines „Sieges“ über Google noch einen draufgesetzt hat, indem er behauptete, drei Fünftel aller digitalisierten allgemeinfreien Bücher würden weltweit kein einziges Mal genutzt. Meine präzise Widerlegung wurde von keinem Diskussionsteilnehmer aufgegriffen. (Wahrscheinlich gibt es kein einziges Digitalisat, dass weltweit kein einziges Mal genutzt wurde!). Stattdessen wurde Herrn Sprang Schützenhilfe gegeben, indem man seine Worte wohlwillend uminterpretiert und umformuliert hat. Jetzt soll es woll geheissen haben: Drei Fünftel aller allgemeinfreien Digitalisate werden von den meisten Internetnutzern ignoriert, (was ja wohl selbstverständlich ist).
    An sich sollte man gerade die unbeliebten und kaum noch benötigten Printmedien digitalisieren und ins Netz stellen. Dann könnten die Bibliotheksmagazine von diesem Ballast befreit werden. Die Originale könnte man in „tiefe Lager“ verstauen und für die Nachwelt einmotten. Die Kosten von 10 € pro Digitalisierung würden durch die Einsparung bei der Bereithaltung und Bibliothekslogistik leicht finanziert, ganz zu schweigen von dem „märchenhaften“ Mehrwert für die interessierte „Internetgemeinde“.
    Ich möchte das von Herrn Sprang benutzte Wort („es ist eine Mär“) mal aufgreifen: Tatsächlich ist es märchenhaft, dass man für ein paar Euro ein Printmedium für die nächsten hundert Jahre der gesamten Menschheit kostenlos und komfortabel zur Verfügung stellen kann. Man stelle sich vor, es wäre möglich, durch das Scannen einer Kartoffel, dieses Nahrungsmittel allen Menschen über das Internet zur Verfügung zu stellen. Der Erfinder solch einer Vervielfältigungsmethode wäre sicherlich der größte Wohltäter der Menschheit. Bei Nahrungsmitteln für Bildungshungrige sind wir aber schon so weit. Allerdings werden die Wohltäter, die für eine kostenlose Verbreitung und Aufbereitung sorgen, eher bekämpft und verhöhnt.

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