Social-Media-Nutzung macht einsam – aber alleine zu lesen ist sexy?

Schon öfter habe ich mich gefragt, was den „Buch-Besonderheits-Status“ ausmacht: „Bücher, sagt sie, veredeln. Sogar Nicht-Bücher.“ Sicherlich spielt eine wichtige Rolle, dass wir über Jahrhunderte hinweg „people of the book“ waren, während wir heute „people of the screen“ sind oder zumindest werden. In Büchern war ein Großteil der für unsere Gesellschaft und Kultur relevanten Inhalte abgespeichert und es gab einen Qualitätsfilter, indem nicht jeder Bücher weithin zugänglich machen konnte. Jedenfalls ist es noch heute so, dass Aussagen wie diese sichere Beifalls-Catcher sind, was den „Buch-Besonderheits-Status“ ganz gut verdeutlicht:

Wer Bücher und das Bücher-Lesen preist, ist gewissermaßen auf Seite der Guten und muss sich nicht rechtfertigen. Anders ist das im Internet-Kontext. Hier werden immer wieder Probleme intensiv wahrgenommen und thematisiert. Eine beliebte These lautet beispielsweise, dass die Nutzung von Social-Media-Instrumenten und der Vernetzungsmöglichkeiten ganz allgemein die Menschen vereinsamt. Vertreten wird diese These u.a. von der US-Soziologin Sherry Turkle: „Mehr Vernetzung führt zu mehr Einsamkeit“.

Probleme gibt es im Internet-Kontext natürlich zuhauf und sie müssen diskutiert werden. Vielleicht hat Turkle auch (teilweise) Recht. Erschwert wird eine ausgewogene Diskussion, welche nicht nur Probleme, sondern auch Chancen betont, jedenfalls u.a. dadurch, dass die durch eine Veränderung ausgelösten Herausforderungen meist leichter erkennbar sind als das, was man künftig gewinnen könnte. Diese Diskussion will ich hier jetzt aber auch gar nicht führen, obwohl ich Turkles These skeptisch gegenüber stehe. Meine persönliche Erfahrung besagt zumindest etwas ganz anderes – nämlich, dass gerade die Vernetzungskünstler meist sehr soziale Typen sind. Auch in der „realen Welt“, wie es Turkle formuliert.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang vor allem, dass wir an manchen Stellen sehr kritisch zu sein und die potentiellen Probleme mit der Lupe zu suchen scheinen, während andere Bereiche kaum hinterfragt werden. Letzteres betrifft gerade das Bücher-Lesen. Mike Masnick verweist aus meiner Sicht zu Recht auf diese Tweets von Mathew Ingram, die es schön auf den Punkt bringen: