Wenn deutsche Schriftsteller über die Zukunft des Papier-Buches philosophieren

Auf boersenblatt.net findet sich ein Bericht zu einer Diskussion im Berliner Literaturhaus über die “Die Zukunft der Bücher”. Teilgenommen hat u.a. der Schriftsteller Thomas Lehr, welcher auf die Frage, ob “die gigantische digitale ‘backlist der Menschheit’ nicht die Zukunft des gedruckten Buches” gefährde, Folgendes antwortete:

Zu überlegen sei, welche Sparten des Schrifttums betroffen seien und welche nicht: So würden wissenschaftliche Zeitschriftenaufsätze zum e-journal, während sich die technologische Überlegenheit des Papierbuches zum Beispiel im wissenschaftlichen Standardwerk manifestiere.

Ohne Worte …

Interessant sind auch die weiteren Statements im Beitrag. Ich finde solche Diskussionen witzig, weil sie fast immer vom Status quo der Technikentwicklung ausgehen und diesen dann in die Zukunft verlängern. Zudem wird meist eh nur die aktuelle Mehrheitsmeinung wiedergegeben, mit der man sich nicht angreifbar macht, aber auch nicht zu rückständig wirkt. Diese Mehrheitsmeinung sah vor ein paar Jahren natürlich noch so aus, dass man die heutigen Floskeln nicht hätte äußern dürfen. Derzeit ist es jedenfalls so, dass fast alle feststellen, dass die leichte Unterhaltungsliteratur “selbstverständlich” ins Digitale abwandere, aber “das gute Buch” selbstverständlich nicht. In ein paar Jahren wird das natürlich anders aussehen und argumentiert werden. Immer schön der aktuellen Technik- und Käufer-Entwicklung folgend.

  • http://swingbattaswing.tumblr.com/ frank_krings

    Technik-Skepsis gehört doch zur Grundausstattung deutscher Intellektueller. Von links bis rechts. Finde solche Meinungen eher langweilig, weil sie oft nur auf Ahnungslosigkeit beruhen. Wer 2012 behauptet, die Wissenschaft würde lieber auf Papier als digital publizieren ist einfach ein…ein Hinterwäldler. Sorry.

    • http://leanderwattig.de/ Leander Wattig

      Man muss sich schon damit auseinandersetzen, wie das Gros der eigenen Branche argumentiert.

  • Pingback: Aktuelles 6. Dezember 2012 — neunetz.com()

  • Pingback: Links vom 6. Dezember 2012 « davidp.de/blog()

  • Olivia

    @frank_krings:

    Allerdings hat das gute alte Buch auch seine Vorteile. Ich habe gerade ein sehr schönen Artikel darüber gelesen, der übrigens auch gerade zur Weihnachtszeit passt: http://veroeffentlichen-heute.de/2012/12/14/warum-schnelle-zeiten-langsame-medien-brauchen-entschleunigung-in-der-vorweihnachtszeit/

    Ich bin der Meinung, dass das digitale Buch für uns immer wertvoller und attraktiver werden wird. Dennoch wird das typische Buch in meinen Augen nicht verschwinden. Die Wissenschaft wird immer noch auf Papier publizieren, ob sie das jedoch lieber macht, ist wohl von dem jeweiligen Autor abhängig ;)

  • http://twitter.com/druckstelleblog druckstelle blog

    Als ob es irgendwie unschick wäre, das gedruckte Buch zu verteidigen. Ich denke, jedes Medium hat eben seine Vor- und Nachteile. Auch von ‘der Wissenschaft‘ zu sprechen, halte ich für ungeeignet – es kommt darauf an, wer, wo und warum er publiziert. Ein Festhalten an gedruckten wissenschaftlichen Publikationen spricht für mich für alles andere als von Ahnungslosigkeit: Welcher Geisteswissenschaftler könnte und wollte auf die papierne Publikation denn verzichten wollen? Momentan kann davon jedenfalls keine Rede sein und was sein wird, ja, dass weiß halt keiner. Da gilt es die Entwicklungen zu beobachten und die eigene Medienkompetenz anzupassen. Die kritische Auseinandersetzung existiert wohl – und nennt sich dann auch Medienkritik.