AXE hat Graphic Novels als attraktive Werbeform für sich entdeckt und bewirbt damit einen neuen Duft namens Anarchy in zwei Varianten – für sie und für ihn. Ort des Geschehens ist ein YouTube-Kanal, wo die Aktion auch vorgestellt wird. Das Ganze soll den Nutzer stark einbeziehen und interaktiv ablaufen:

(Video, 1 min.)

Mashable dazu:
The Unilever brand, working with digital agency Razorfish, commissioned Aspen Comics for the effort. Scott Lobdell, who wrote X-Men stories in the ’90s and is now responsible for three major DC Comics titles, will also be writing the graphic novel.

“Behind the scenes”:

“Creating the characters”:

“Writing the novel”:

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Die Wortwahl sagt viel über das Denken aus und das Denken beeinflusst maßgeblich das Tun und den Erfolg. Dies umso mehr, wenn es um eine Branche im Wandel und die dortigen Unternehmen geht. Daher gefällt es mir gut, wie die selbstständige Buchhändlerin Regina Moths (Literatur Moths) in der aktuellen Ausgabe des buchrepot.magazin schon ganz grundsätzlich bei der Einordnung ihres Unternehmens einhakt:

Literatur Moths ist nicht groß. 130 qm, zwei Buchhändlerinnen plus Aushilfen, 2000 Titel. Aber klein? Der herantastende Gesprächseinstieg, dass es großen Filialisten wie auch vielen kleineren Standortkollegen ja nicht so gut gehe, schlägt bei Regina Moths zumindest gleich Funken: “Ich wehre mich gegen das Etikett klein, wir sind unabhängig. Nur weil etwas nicht Buchkaufhaus ist, ist es nicht klein, erst recht nicht im Sinne von hilflos, unprofessionell oder bedauernswert. Das ist ein Haltungsschaden, den ich immer wieder korrigiere.” Und: “Bitte keine Solidaritätskäufe.”

Regina Moths zieht nachfolgend den Vergleich mit einem Dallmayr-Geschäft, in dem ja auch niemand den Einkauf damit begründe, dass man Aldi nicht unterstützen wolle. Man suche solche Geschäfte gezielt auf, weil sie etwas Besonderes bieten. Diese Art von Selbstbewusstsein und Betonung der eigenen Stärken (Sortimentsqualität durch rigorose Auswahl) gefällt mir sehr gut.

Denn Chancen, echte Kaufanreize zu bieten, gibt es auch heute noch im Buchhandel – anderes Beispiel: Motto zeigt, dass Self-Publishing eine Chance für den Buchhandel ist

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Auf Facebook habe ich mich vorhin kurz zur Facebook-Timeline geäußert – u.a. mit Verweis auf diesen älteren Blogbeitrag:

Treffend finde ich den Kommentar von Stevan Paul, der das auf den Punkt bringt, was auch Marshall Kirkpatrick beschreibt:

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Vor ein paar Wochen schrieb ich hier im Blog, dass wir in der Verlagsbranche mehr API-Wettbewerbe und Hackathons bräuchten:

Im Internet sind v.a. jene Unternehmen erfolgreich, die sich nicht als Destination, sondern als Plattform begreifen und die Chancen nutzen, welche Programmierschnittstellen (APIs) bieten. (…) Aus dem Buch-Verlagsbereich sind mir noch nicht viele Beispiele bekannt, bei denen APIs gezielt sogar für die Produktentwicklung genutzt werden. Natürlich nutzen Verlage APIs auf ganz einfache Weise, indem sie YouTube-Videos und Facebook-Widgets einbinden. Auch im Vertrieb werden APIs durch mobile Buch-Slider und -Shops wie Book2Look immer häufiger genutzt (oft ohne dass der Begriff API erwähnt oder gedacht wird). Doch im Bereich der Produktenticklung kenne ich als prominentes Beispiel im deutschsprachigen Raum nur den API-Wettbewerb von Springer, dessen erster Durchgang im Juli 2011 abgeschlossen wurde.

Tina Harseim hat mich nun darauf hingewiesen, dass der wissenschaftliche Springer Verlag die zweite Runde seiner “API Challenge” gestartet hat. Diese setzt auf die verfügbaren Springer-APIs auf:

We have created three APIs for developers to access our freely available content:
Springer Metadata API – Provides metadata for over 5 million online documents (e.g. journal articles, book chapters, protocols).
SpringerImages API – Provides images and related text for over 300,000 free images available on SpringerImages.
Springer Open Access API – Provides metadata, full-text content, and images for over 80,000 open access articles from BioMed Central and SpringerOpen journals.
Springer APIs provide a variety of different output formats, including XML and JSON.

Der Wettbewerb soll diesmal sehr konkret gehalten werden:

Springer Metadata API
Goal: Develop an application that provides a novel search solution based on an analysis of trends in the metadata.
SpringerImages API
Goal: Develop an application that uses image recognition to analyze, compare, or search images.
Springer Open Access API
Goal: Develop an application that uses semantic modeling to interpret characteristics of individual full-text documents and/or to analyze relationships among full-text documents.
Mashups of our APIs with open sourced (and non-copyrighted) data are encouraged.

Alle weiteren Infos gibt es bei dev.springer.com

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Frank Krings arbeitet in der Kommunikationsabteilung der Frankfurter Buchmesse, Schwerpunkt Online-Redaktion / Social Media. Dieser Artikel gibt seine privaten Ansichten und nicht die der Frankfurter Buchmesse wieder.

Egal ob Autoren heute sich und ihr Werk über Verlage oder über Self-Publishing vermarkten wollen: Erfolgreich ist, wer sichtbar ist und einen Wiedererkennungswert hat. In kalter Marketing-Sprache: Es geht um die Ich-Marke, um das Ego-Marketing, um das Self-Seeding auf allen relevanten Kanälen. Vielleicht ist dafür ein Blick auf jene Zunft von Lyrikern sinnvoll, für die ein kreatives und vehement verfolgtes Ego-Marketing zum Tagesgeschäft gehört: Die Rapper.

Wer im Hip Hop-Geschäft wahrgenommen werden will, muss dafür jeden Kanal nutzen und unverwechselbar sein. Ein Beispiel dafür ist die Verbreitung über Mixtapes: In den 90ern produzierten Rapper ohne Label-Vertrag in Eigenregie Mixtapes mit eigenen Freestyles über angesagte Beats. Diese Mixtapes verteilten sie in ihrer Hood, in Plattenläden und nach Freestyle-Sessions in Clubs. Heute ist es noch einfacher: Das Mixtape wird als Free Download im eigenen Social Graph und an relevante Hip-Hop-Blogs verteilt.

Der heutige Milliardär 50 Cent war 1999 noch ein drogen-dealender Eckensteher in Queens, als er über ein Mixtape mit wüsten Disses gegen Rap-Stars aus New York schlagartig in der Szene bekannt wurde. (Exkurs: Manche Blogger sind da ganz ähnlich und suchen die Aufmerksamkeit über Rants gegen bekannte Blogger.) Überhaupt ist der Wettbewerb, das Kräftemessen mit Konkurrenten, ein Essential im Hip Hop. Das schärft das eigene Profil. Man vergleiche nur mal einen MC-Battle vor Publikum wie in Eminems “8 Mile”-Film mit einer gewöhnlichen Poetry-Slam oder einem Autoren-Wettbewerb.

Zur Profilschärfung setzen viele Künstler auch ein Storytelling rund um einen oder mehrere fiktive Charaktere ein. So hat es Kool Keith bis heute zu 30 verschiedenen Charakteren geschafft: Unter “Kool Keith” repräsentiert er klassischen Hip Hop, als “Black Elvis” rappt er ausschließlich über Sci-Fi-Themen und als Frankenstein-hafter Dr. Octagon experimentiert er sowohl lyrisch (Horror, Verschwörungen) wie musikalisch (Trip Hop). Die Pseudonyme verschaffen nebenbei auch Freiräume, wenn der Plattenvertrag mal die kreative Freiheit einschränken sollte.

Neben der Lust am “Battle” und am Storytelling teilen Rapper eine Lust am Konsum, die sie zu klug taktierenden Werbeträgern und Produkt-Entwicklern macht. Anno 1986 hatten die bekennenden Adidas-Turnschuh-Fetischisten RUN DMC noch keinen Sponsor. Nach ihrem Hit “My Adidas” wurde der damals noch wenig “hippe” Sportbekleidung-Hersteller aus dem fränkischen Herzogenaurach hellhörig. Folgerichtig hatten RUN DMC bald einen gewichtigen Sponsor und konnten ihre eigenen Sneakers designen.

Moderne Rap-Stars wie Jay-Z professionalisieren das noch, indem sie Mitinhaber und rappende Storyteller von Produkten werden, die zum eigenen Lifestyle passen: Champagner-Marken, Sportswear, Clubs, etc. Und wenn eine wandelnde Ich-Marke wie Jay-Z sich mal zu einer Biographie (“Decoded”) herablässt, werden alle Register des modernen Marketing gezogen: Auszüge aus “Decoded” erschienen u.a auf dem Filz von Billard-Tischen, auf dem Einwickel-Papier von Hamburgern. Außerdem wurden Textzeilen in eine New Yorker Schnitzel-Jagd auf den Spuren von Jay-Zs Leben mithilfe der Suchmaschine Bing integriert:

(Video, 3 min.)

Trotz des Hangs zum glamourösen Leben beziehen viele Rapper ihre Fans gerne in ihr Schaffen mit ein. Das Social Web ist für sie die neue Arena zum Kräftemessen und Repräsentieren. Reime werden in 140 Zeichen getwittert und bei Nichtgefallen durch die Follower einfach aussortiert. Und die besten, wirrsten Tweets von Kanye West – auch so eine wandelnde Ich-Marke in XXL – kann man als handgestickte Gemälde kaufen. Die ganz hippen MCs stellen komplette Song-Texte dem neuen Startup rapgenius zu Verfügung. Das ist eine Art Wiki, in dem Fans kryptische Slang-Ausdrücke selbst mit passenden Bildern, Definitionen und Filmen visualisieren können. Jede Begriffserklärung kann dann von den anderen Usern (inkl. dem Autor selbst!) geliket, geplusst oder verändert werden.

Kurzum: Rapper sind Pioniere in Sachen Ich-Marke und dem Sich-Selbst-Bekanntmachen auf allen verfügbaren Kanälen. Das muss man in dieser Konsequenz nicht immer sympathisch finden. Und das lässt sich auch nicht 1:1 auf das Selbstbild vieler Autoren übertragen. Aber es zeigt Möglichkeiten. Word!

Bildquelle:  NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Music Trendsetter
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Die ARD will mal wieder jung sein und denkt offensichtlich sehr konkret über die Etablierung einer “TagesWebSchau” nach:

In der wenige Minuten langen Sendung, die eine Ergänzung zur klassischen “Tagesschau” sein soll, soll das “Tagesgeschehen im Spiegel des Netzes” beleuchtet werden. Gleichzeitig soll das Internet auch als Themenlieferant dienen, so Radio Bremen-Intendant Jan Metzger.

Sehr typisch: Es wird natürlich unterschieden zwischen den “echten” Nachrichten und dem Junge-Leute-Zeug, das wohlweislich gleich ins Netz und auf Spartensender abgeschoben wird:

Zu sehen sein wird die Sendung sowohl im linearen Fernsehen auf dem Digitalkanal EinsExtra als auch auf Abruf im Web.

Diese Art von Trennung, welche fast immer anzutreffen ist, ist aus meiner Sicht einer der Gründe, warum das Themenfeld Social Web in Deutschland schief wahrgenommen wird. Warum integriert man die Stimmen der Menschen nicht dort, wo sie thematisch passen und hingehören, anstatt nach technischen Plattformen zu unterscheiden? Mir scheint es doch eher so zu sein, dass über das Social Web am Orte des Geschehens getroffene Aussagen oft viel relevanter sind als die von Reportern, welche sich nachträglich für das Fernsehen “live vor Ort” hinstellen und bedeutungsschwanger einfach nur die Aussagen Dritter wiedergeben. Letzteres ist ja nach wie vor üblich – trotz der Möglichkeiten des Social Webs.

Fortschrittlicher scheint mir da schon die Situation in Russland zu sein – jetzt mal unabhängig von den sonstigen politischen Umständen, die ich hier nicht diskutieren will, obgleich sie diskussionswürdig sind. Ich war letzte Woche in Moskau und dort berichtete mir Ksenia Ryklin (Goethe-Institut) über die selbstverständliche Einbindung von Stimmen aus dem Netz in die Hauptnachrichten:

(Video, 1 min.)

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Vor 1-2 Wochen habe ich ein länger nicht gekanntes Gefühl genossen. Ich habe mit Pinterest eine Plattform für mich entdeckt, die mich wirklich begeistert und für die ich demzufolge auch schon fleißig Werbung gemacht habe. Aus der Selbstbeschreibung:

Pinterest lets you organize and share all the beautiful things you find on the web. People use pinboards to plan their weddings, decorate their homes, and organize their favorite recipes. Best of all, you can browse pinboards created by other people. Browsing pinboards is a fun way to discover new things and get inspiration from people who share your interests.

Pinterest wächst derzeit wahnsinnig schnell, weil die Plattform gerade auch Leute jenseits der Tech-Szene anspricht und begeistert und weil über einen langen Zeitraum das Kernprodukt selbst “ansteckend” gemacht wurde, sodass die Viralität im Produkt selbst steckt.

Das Geniale an Pinterest ist u.a. die ansprechende Optik, die Wirkung der Fotos und Videos auf der Seite und die Einfachheit, Inhalte zu entdecken und weiterzuempfehlen sowie sie mithilfe von “Boards” zu organisieren. Pinterest ist auch für den E-Commerce sehr gut geeignet (u.a. eigene “Pin It” Buttons). Zudem löst die Plattform Herkunftsfragen eines Fotos sehr webgemäß und fair, indem aus dem Netz gepinnte Fotos immer einen Link zur Quelle behalten. Es ist also bestmöglich gegeben, dass der Urheber einen Reputationsgewinn für das Erstellen des Fotos erfährt und dass der “Kurator” einen Reputationsgewinn erfährt für das Zusammenstellen attraktiver Inhalte. Beide profitieren also und nicht einer auf Kosten des anderen. Zudem sind die jeweiligen Fotos auch auf externen Plattformen einbindbar (ein Erfolgsprinzip des Social Webs), wobei auch hier der Quellenbezug bestehen bleibt. Hier ein Beispiel für einen Embed:

Source: flickr.com via Leander on Pinterest

 

Bei Google+ warf Kerstin Hoffmann sogleich die Frage der Nutzbarkeit der Plattform aus rechtlicher Sicht auf. Eine wichtige Frage. Nun ist es ja – soweit ich das überblicke – in Deutschland so, dass die Nutzung jedes noch so kleinen Bildes die vorherige Einräumung der entsprechenden Nutzungsrechte durch den Urheber oder Rechteinhaber erfordert. Eine Ausnahme ist das Bildzitat, für das aber schon sehr anspruchsvolle Voraussetzungen gegeben sein müssen. Von daher ist die gedankenlose freie Nutzung von Pinterest (und anderen Plattformen) natürlich nicht zulässig.

Das Problem hier ist, dass innovative Plattformen, zumindest in Deutschland, oft nicht oder nicht mit angemessenem Aufwand genutzt werden können (selbst wenn es dem Urheber zugute kommt und er die Nutzung wünscht). Als Nutzer lebt man dauerhaft mit der Unsicherheit, wegen auch kleinster Urheberrechtsverstöße abgemahnt zu werden und finanziell zu bluten. Das ist ein Punkt, der das gesamte Ökosystem hemmt. Wir reden ja in den meisten Fällen nicht über eine gewerbliche Nutzung fremder Inhalte, sondern über die in die Nutzung von Web-Diensten einprogrammierte Weiterverbreitung von fremden (Bild-)Inhalten.

Natürlich könnten wir Pinterest nutzen, indem wir nur eigene Bilder, für die wir selbst die Rechte haben, auf die Plattform hochladen. Wenn das aber jeder machte, was wäre der Sinn? Der Sinn von Pinterest ist ja gerade das Teilen und Neu-Zusammenstellen. Andere Leute dürften meine Inhalte dann aber nicht dafür verwenden, ohne mich zu fragen.

Einen Ausweg gibt es: Creative-Commons-Lizenzen, bei denen nicht alle Rechte vorbehalten sind, sondern nur einige, wodurch ein Foto auch ohne Rücksprache unter den angegebenen Voraussetzungen verwendet werden kann. Wer Fotos wie das oben eingebettete von Mario Sixtus weiterverbreitet, die mittels Creative Commons lizenziert sind, kann sich frei entfalten. Pinterest hat den Dienst wie erwähnt auch so gestaltet, dass der Quellenlink möglichst an allen Stellen erhalten bleibt. Beim Embed bspw. ist unter dem Bild nicht nur vermerkt, dass ich das Foto gepinnt habe, sondern auch, dass es von Flickr stammt – mit Link zur Ursprungsseite von Mario Sixtus. Noch dazu habe ich in der Bildunterschrift vermerkt, welche Art von Lizenz durch Sixtus gegeben ist. Das sieht zwar nicht so schön aus, aber wer es schön haben will, muss eben eigene Bilder nutzen (wobei die dann streng genommen von anderen wieder nicht verwendet werden dürfen):

 

Es sind bei solchen Web-Diensten aber eben auch die Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen. Denn am Ende geht es auch um den Aufwand der Nutzung. Wenn ich nun bei Pinterest ein Foto (= ein Pin) weiter verbreite (“Repin”), dann wird der Text der Bildunterschrift mitgenommen, sodass der CC-Hinweis erhalten bleibt und nicht wieder manuell eingegeben werden muss. Damit ist der Aufwand für eine rechtskonforme Nutzung aus meiner Sicht noch einigermaßen beherrschbar:

 

Dennoch finde ich, dass Pinterest Creative-Commons-Urheberrechtslizenzen als echtes Feature ähnlich wie Flickr, wie Videoplattformen wie Vimeo und wie Dokumentenplattformen wie Scribd noch in seine Plattform einbinden sollte. Denn am Ende geht es ja auch darum, die Lizenz als Filterkriterium nutzen zu können. So nutze ich niemals nur die einfache Flickr-Suche nach Bildern, sondern stets die erweiterte Suche und dort die Filterung nach der passenden Nutzungslizenz, weil ich nur dann die Suchergebnisse bspw. auf meinen Blogs auch weiterverwenden kann. Ein ähnliches Feature wäre für Pinterest schon deshalb sinnvoll, weil sich daran eben auch die erweiterte Google-Suche anknüpft, bei der man ebenfalls nach Nutzungsrechten filtern kann. Denn das gezielte Gefunden-Werden bleibt auch im Social Web und auf für das Entdecken ideal geeigneten Plattformen wie Pinterest ungemein wichtig. Falsch lizenzierte Inhalte kommen bei einer solchen spezialisierten Suche nicht vor; sie existieren dann quasi gar nicht.

Das führt jedoch zu einem weiteren Punkt, der mich schon seit langem beschäftigt. Selbst als versierter Nutzer des Social Webs, der sich vielleicht Gedanken macht und Dinge berücksichtigt, die Viele nicht im Blick haben, und der Zeit investiert und sich kümmert, komme ich ärgerlicherweise aus der rechtlichen Unsicherheit nicht heraus. Denn ich mag vielleicht CC-Lizenziertes nutzen und das auch brav angeben. Dennoch bin ich der Dumme, wenn der Urheber an der Quelle irgendwann mal die Lizenzangabe ändert. Wenn ich also heute Fotos von Mario Sixtus, die er bei Flickr mit einer CC-Lizenz gepostet hat, einbinde und korrekt auszeichne, er aber morgen die Lizenzangabe ändert (= 1 Mausklick) und mich übermorgen abmahnen lässt, habe ich ein Problem. Wie will ich nachweisen, dass die Lizenz ursprünglich meine Nutzung zugelassen hat? Ich müsste von jedem Bild einen Screenshot als Nachweis anfertigen und selbst dann wäre ich sicherlich noch nicht auf der rechtlich sicheren Seite. Eine notarielle Beglaubigung eines jeden Screenshots wäre wohl am besten. ;) Neulich sprach ich mit einem darauf spezialisierten Anwalt und auch dieser bestätigte mir nochmal die Problemhaftigkeit dieses Feldes. Wer sich also nicht angreifbar machen möchte, der sollte auch keine CC-lizenzierten Inhalte nutzen. Das ist der traurige Status quo in Zeiten des bereits viele Jahre alten Internets.

Für mich stellt sich also nicht die Frage, ob man Plattformen wie Pinterest rechtssicher nutzen kann. Natürlich geht das – irgendwie -, wobei mir dann große Bereiche des Potenzials dieser Plattformen versperrt sind. Für mich ist eher die Frage, wie man das Urheberrecht ggf. ändern könnte, sodass die Möglichkeiten des Webs so nutzbar werden, dass der Urheber, der Nutzer und die Gemeinschaft in der Summe besser da stehen. Hier ist die heutige Situation selbst bei bestem Bemühen der Plattformbetreiber und von deren Nutzern meiner Meinung nach einfach suboptimal. Der sich korrekt verhaltende Nutzer ist derzeit tendenziell immer der Dumme, weil er viele Features meiden muss und weil er deshalb am Ende schlechter dasteht als die etwas forscheren Ausloter der Grenzen, die sich über die Inhalte-Nutzung in Grauzonen eine Reputation und Sichtbarkeit aufbauen, die ihnen auch dann erhalten bleibt, wenn sie irgendwann mal abgemahnt werden. Das führt aber beim Nutzer zu einer Gewöhnung an die permanente Abwägung, ob ein Überschreiten der rechtlichen Grenzen nicht lohnend wäre. Letztlich führt das wiederum zu einer Gewöhnung an die “Kriminalität”. Das damit verbundene negative Gefühl führt dann letztlich vielleicht auch zu etwas, was eine EU-Kommissarin jüngst als Hass auf das Urheberrecht bezeichnet hat:

Meanwhile citizens increasingly hear the word copyright and hate what is behind it. Sadly, many see the current system as a tool to punish and withhold, not a tool to recognise and reward.

Noch ein darüber hinaus führender Gedanke von meiner rein privaten vieljährigen Web-Nutzer-Warte aus: Wie gehen wir egtl. damit um, dass im Social Web das privat-gesprochene Wort immer öfter dem schriftlich-veröffentlichten Wort oder dem in Videoform fixierten und veröffentlichten Wort entspricht? Es gilt doch zunehmend: Reden = Publizieren. Im Offline-Mündlichen kann ich aus gutem Grund frank und frei all das tun, was die Leute sich nicht zufällig auch für die Web-Kommunikation wünschen. Miteinander zu reden heißt oft, ein Gedanken-Mash-up zu erstellen, ohne vor Formulierung eines jeden Gedankens jene fragen zu müssen, die diesen Gedanken in ganz ähnlicher Form auch schon einmal zum Ausdruck gebracht oder veröffentlicht haben. Es heißt auch, sich Dinge wie Bilder einfach zeigen zu können, ohne den Urheber anrufen und um Erlaubnis fragen zu müssen. Miteinander zu reden heißt aber in Zeiten des allpräsenten Internets auch immer öfter, dies mehr oder weniger öffentlich zugänglich zu tun. So wie es bisher auch schon öffentlich zugänglich war, wenn wir uns auf der Straße unterhalten haben. Nun aber in anderer Qualität zugänglich. Zumindest heißt es, dass Inhalte irgendeiner Art auf Web-Plattform in irgendeiner Art gespeichert werden. Und dabei haben wir noch nicht mal das Internet der Dinge, welches all dies noch potenzieren wird. Gedankenaustausch heißt also immer öfter, dass das Gesprochene auch im Web abgebildet ist. Und wir wollen doch, dass die Menschen miteinander reden und ihre Gedanken frei austauschen. Wir können doch nicht wollen, dass sie sich dafür immer offline treffen müssen und dabei offline bleiben müssen, wenn es auch anders geht und dies der Gemeinschaft zugute kommt. Wie sehr wollen wir die Kommunikation zwischen Menschen erschweren durch Regeln aus einem anderen Jahrhundert, die für ein ganz anderes technologisches Umfeld geschaffen wurden? Unser Urheberrecht stammt nun einmal aus einer Zeit, in der die reine Veröffentlichung schon eine schützenswerte Leistung war. Das ist passé. Daher wirken ja auch viele Vorschriften zunehmend hemmend. Dieser Grundkonflikt bleibt aus meiner Sicht voerst ungelöst, auch wenn bei Zur-Sprache-Bringung solcher Gedanken oft wortreich verschiedenartigste Argumente angeführt werden, warum das bestehende Urheberrecht doch irgendwie so hingebogen werden kann, dass es in unsere Zeit passt. Marcel Weiss hat die Sache vor ein paar Tagen in einem anderen Zusammenhang aus meiner Sicht treffend auf den Punkt gebracht: “Um tatsächlich das Urheberrecht, wie es im 19. Jahrhundert erdacht wurde, auch im 21. Jahrhundert durchzusetzen, müssen online Bürgerrechte beschnitten werden.” Das Problem dabei ist wie gesagt, dass fast alles künftig in irgendeiner Form online ist.

Zum Abschluss noch eine kleine Anmerkung ;) …
… All das hier (etwas durcheinander) Beschriebene und sämtliche eigenen Erfahrungen, die zu bestimmten Grundannahmen führen, sind natürlich doch nur Quatsch, wie wir dank des Vorstehers des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, wissen:

„Die Gesellschaft braucht kein neues Urheberrecht – sie braucht Regeln für die Freiheit im Netz”.

Update 28.11.2011: Ein paar Blogger-Kollegen haben sich des Themas auch angenommen:
Kerstin Hoffmann: Den Fluss mit den Händen aufhalten? Oder: Warum das Urheberrecht uns nicht retten wird
Martin Weigert: Kuratieren, Modularisieren und Remixen des Webs: Neuer Brandherd der Urheberrechtsdebatte
Marcel Weiss: User Curated Content ist Filesharing im neuen Gewand
netzpolitik.org: Neue Urheberrechtskonflikte am Horizont?

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Die Nutzung von Social-Media-Plattformen hat unmittelbare Rückwirkungen auf die eigene Reputation, denn immer häufiger nutzen wir sie unter Klarnamen. Reputationseffekte spielen ja nicht zuletzt in den Belohnungsystemen der Plattformen eine große Rolle und sind oft wichtiger als monetäre Anreize, die bspw. im Rahmen von Gewinnspielen geboten werden. Genau diese Reputationseffekte sind aber auch Ursache dafür, dass wir gewisse Dinge nicht oder zumindest weniger häufig tun.

Foursquare wird von Experten wie Marcel Weiss zu Recht als der Dienst gesehen, welcher den Plattformgedanken für Ortsempfehlungen am konsequentesten und am erfolgreichsten umsetzt:

Ob Prag oder Provinz, Foursquare scheint das Henne-Ei-Problem des ortsbasierten Webs – man fängt in jeder Region wieder bei Null an – schneller zu lösen als alle anderen und damit schneller als alle anderen überall präsent zu sein. Und das ist das Fundament, auf dem die Plattform, die Community, die Empfehlungsmaschine, die Apps und die Kooperationen gedeihen können.

Ein Problem aber bleibt. Gewisse Dinge geben wir nicht so gern bekannt, weil es nur bedingt positiv auf uns zurückwirkt. Ich zum Beispiel checke mich nicht oft in aus meiner Sicht banale Alltagsorte wie Supermärkte o.ä. ein, weil ich das mehr oder weniger irrelevant und z.T. auch zu intim finde.

Noch stärker ist die allgemeine Hemmschwelle bei Orten, bei denen es ganz handfeste Gründe gibt, dass andere Leute es komisch finden könnten, wenn man sich dort eincheckt. Als Beispiel nenne ich mal Toiletten-Häuschen und Tabledance-Bars, wobei es da noch viele andere Beispiele gibt.

Nichtsdestotrotz gibt es auch bezüglich solcher Orte einen klaren Informationsbedarf von Menschen, die sie aufsuchen. Hier sind aber allgemein populäre und technisch führende Plattformen als Empfehlungsmaschine eher ungeeignet, einfach weil aufgrund dieser sozialen Mechanismen die notwendigen Daten fehlen, um relevante Empfehlungen geben zu können. Natürlich gibt es Tabledance-Bars wie das prominente Dollhouse in Hamburg, bei denen Besucher sich auch mal einchecken und vereinzelt sogar Empfehlungen aussprechen, wie in diesem Fall Inga S.:

Hierbei handelt es sich aber eher um Ausnahmen und die geringen Check-In-Zahlen von ähnlichen Etablissements sprechen für sich:

Den einen Empfehlungsdienst, der alles abdeckt, wird es aus meiner Sicht also nicht geben. In vielen Bereichen werden Spezialangebote gefragt sein, die bspw. ein alternatives anonymes Einchecken/Empfehlen ermöglichen oder über spezielle spielerische Ansätze Anreize dafür schaffen, sich auch in ganz banale und langweilige Alltagsorte einzuchecken. Wenn sich Dienste wie Foursquare wiederum wirklich als Plattform begreifen, könnten sie die Daten solcher Angebote dann auch auf ihrer Plattform integrieren.

Bildquelle: Arnoldius (CC-Lizenz: BY-SA)

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Der Tagesspiegel widmet sich aktuell dem Thema Lesekreise, wo ja letztlich in vielfacher Hinsicht das stattfindet, was wir im Digitalen gern mit “Social Reading” umschreiben: In der Buchtanzgruppe:

Es wird gescherzt, durcheinandergeredet und gelacht. Diese soziale Komponente von Lesekreisen ist in England und den USA viel anerkannter als in Deutschland. In Amerika, wo es über eine halbe Million Lesekreise gibt, veranstalten Arbeitgeber Zirkel, damit die Mitarbeiter einmal im Monat miteinander ins Gespräch kommen – quer durch alle Hierarchien. So werden Orte geschaffen, an denen nicht jede Unterhaltung von Konkurrenzdruck begleitet ist.
(…)
Dem Autor würde gefallen, wie lebensnah hier mit seinem Buch umgegangen wird. Ganz persönlich wird etwa darüber gesprochen, wie der eigene Blick auf Amerika aussieht, private Reiseerinnerungen werden berichtet, jemand erzählt von einer anderen gemeinsamen Buchlektüre. Von derart idealen Lesern träumt der Buchhandel geradezu. In den USA hat sich die Verlagskultur darum schon längst umfangreich auf Lesekreise spezialisiert: Buchhändler bieten Räume für die Diskussionen an, Verlage bereiten Empfehlungslisten mit Buchtiteln vor. Und die berühmte Sendung „Oprah’s Book Club“ der TV-Moderatorin Oprah Winfrey war nicht nur einem Lesekreis nachempfunden, sondern stellte grundsätzlich Materialien zur weiteren Beschäftigung mit den Büchern bereit.

Hier wirkt wieder einmal das, was ich vor Jahren mit “Community First” zu beschreiben versucht habe: Erst muss man die Menschen zusammen führen, was die eigentliche Herausforderung ist, dann erst kann man erfolgreich sein. Der Tagesspiegel-Autor Florian Kessler spricht daher ganz richtig von notwendiger Rudelbildung:

Auch in Deutschland geben Verlage seit Neuestem besondere Romanausgaben für Lesekreise heraus. Im Anhang finden sich dann etwa Interviews mit den Autoren, Werklisten und mögliche Fragestellungen für die Diskussion. In der taumelnden Buchbranche mit ihren fast 100 000 Veröffentlichungen pro Jahr kann so etwas vielleicht ein Unterscheidungsmerkmal sein. Vor allem ermutigt es zu einem Leben mit Büchern: Bildet Banden! Rudelbildung stützt den Buchmarkt!

Nicht nur aus meiner, sondern auch aus der Sicht des E-Commerce-Experten Jochen Krisch sind Lesekreise eine große Chance für das Direktmarketing, über das wir ja auch häufig sprechen, wenn es um das so genannte “Social Media Marketing” geht:

leanderwattigLeander Wattig
in reply to @leanderwattig

@leanderwattig schade, dass der Buchhandel solche Chancen nicht erkennt. Hätte ich einen Buchladen, würde ich längst volles Programm machen.
Nov 25 via webFavoriteRetweetReply

 

Jochen Krisch sieht Shopping-Parties generell als ein Zukunftsthema:

Das Thema “Shopping Parties” in seinen mannigfaltigen Ausprägungen sehen wir als eines der großen Zukunftsfelder für den neuen E-Commerce. (…) Am bezeichnendsten und am sichtbarsten ist der Wandel bei den branchenprägenden Tupperparties (PDF), mit denen Tupper hierzulande jährlich rund 230 Mio. Dollar (160 bis 170 Mio. Euro) oder etwa 10% des Gesamtumsatzes von 2,3 Mrd. Dollar erzielt. Siehe auch das Interview in der FAZ (“Frauenversteher Rick Goings”) oder den Bericht über das boomende Frankreich-Geschäft von Tupperware.

Es gibt natürlich auch schon Buchhandlungen, die aktiv sind, wie bspw. die Buchhandlung Riemann in Coburg mit den “Buchpickern“. Meinem Eindruck nach sollten es aber viel mehr sein und diese könnten noch offensiver sein. – Wer kennt gute Beispiele?

Update 28.11.2011: Ein tolles Beispiel: Bücher zum Tuppern (via Patricia Schütz)

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Vimages

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Die Sache ist ja ansich einfach. Alles wird digital, also sollte es die Backlist von Verlagen auch sein. In der Praxis gestaltet sich das Ganze aber durchaus herausfordernd, was Vicky Hartley (Head of Marketing and Digital Development, Duncan Baird Publishers) in diesem Beitrag beschreibt:

(…)
To start with the logistics of publishing an ebook are not filled with the most efficient processes, there are different formats, each with their own limitations and eccentricities, there are lots of retailers out there with their own requirements for metadata and even bookdata have their own specifications on filling out a bibliographic entry, it really isn’t enough to say it’s an ebook in the format field.

Then there are the internal difficulties, someone needs to gather the files (making sure for backlist titles they are the most up-to-date version), then you need to assign isbns for each type of eBook, and then you need to check that any images you bought for the jacket have been cleared for digital editions (and create a new jacket if it hasn’t) – all this before you even begin the conversion process.
(…)

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